Madison McFerrin

A cappella, aber rough

In den USA ist sie längst kein Geheimtipp mehr – und das hat so gut wie nichts mit ihrem Nachnamen zu tun. Immer noch gibt es Fans, die überrascht darauf reagieren, dass Madison McFerrin die Tochter von Bobby ist.

Ida McFerrin (Foto: Sam Cannon)

Die Sängerin und Produzentin, geboren 1992 in San Francisco und heute in Brooklyn lebend, hat sich mit ihren gelassen groovenden Songs über Jahre langsam eine Fanbase aufgebaut. Sechs Jahre nach ihrer ersten EP veröffentlicht sie nun ihr Debütalbum „I Hope You Can Forgive Me“ (MadMcFerrin Music/ Cargo).

„Soul-appella“ nannte ihr Kumpel, The-Roots-Drummer Questlove, einmal ihren Sound. Tatsächlich basiert McFerrins Ansatz auf dem berühmten Konzept ihres Vaters, vielstimmige Gesangsparts übereinanderzuschichten, aber es steckt mehr in den zehn Songs ihres Debüts: Synthie-Pop, Elektronische Musik und sehr viel raffinierter R&B.

„In den USA waren diese High-School-a-cappella-Bands lange ziemlich beliebt. Das ist schon okay, ich habe auch in einer gesungen, aber es ist ziemlich glatt. Das ist nicht das, was ich im Kopf hatte.“

Auf dem komplett von ihr selbst produzierten Album gibt es Songs wie „God Herself“, die ausschließlich mit verfremdeter Stimme instrumentiert sind, aber auch solche, die wie verlangsamter Drum ’n’ Bass („Run“) anmuten. „Stay Away“ wäre beinahe ein Housetrack, hätte es nicht diese herrlichen Popharmonien. Sich vom großen Vater freimachen – hat sie das geschafft?

„Wenn du früher meinen Namen gegoogelt hast, stand da „Tochter von Bobby McFerrin‘. Jetzt steht da „Singer-Songwriterin‘. Ich habe schon etwas erreicht.“

Text
Jan Paersch
Foto
Sam Cannon

Veröffentlicht am unter 149, Feature, Heft

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