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Pit Huber

Wynton Marsalis wird 45. In diesem Alter muss man sogar Wunderkinder allmählich ernst nehmen. Mozart oder Mendelssohn nehmen wir ja auch ernst, und die wurden nicht mal 40. Ein Jazzmusiker sollte mit 45 wissen, was er gemacht hat und was er noch will. Miles hatte in dem Alter den akustischen Jazz hinter sich, Rollins sein drittes Comeback, Monk komponierte praktisch nichts mehr. Und Wynton?

Müsste er nicht so viel über seine Kollegen giften und müssten die nicht in Notwehr so viel zurückgiften, dann könnte man sich ja endlich mal in Ruhe über Wyntons Musik unterhalten. Ich habe da meine eigene Theorie. Wie verschiedene Zeitzeugen berichten, trug Wynton bei seinen ersten Auftritten mit Herbie Hancock ein strahlend weißes Jesus-Christ-Superstar-Kostüm, eine Gloriole schwebte über seinem Kopf und die Zuhörer waren jedes Mal in Erstarrung gebannt, als stünde ein parfümierter Grenouille vor ihnen. Meine Theorie ist, dass Wyntons überstarkes Charisma damals eine Dimensionsbeule hervorrief und ein Loch im Raum-Zeit-Kontinuum aufriss, durch das Wynton – schwupps! – in ein Paralleluniversum purzelte.

Diese Parallelwelt ist nicht besonders anders als unsere – nur in Details. Autos haben dort keine Scheibenwischer, sondern Regenabsaugdüsen. Es gibt auch keine elektrischen Motorschlitten, dafür Laserski-Surfing. Der Schwarze Freitag war dort an einem Mittwoch, die Kuba-Krise war etwas heißer als hier und Jesse Jackson war mal Vizepräsident. Ach ja: Und es gab keinen Bebop. In Wyntons Parallelwelt haben Swing-Musiker wie John Kirby und Edmond Hall irgendwann die Lust an der gemäßigten Dissonanz entdeckt. Dixielanders begannen in den sechziger Jahren über etwas kompliziertere Akkorde zu improvisieren. Theatermusiker am Broadway erfanden in ihrer Freizeit eine Art Orchesterjazz für Highbrows.

Ich weiß nicht, wie oft und für wie lange sich Wynton drüben aufhält. Jedenfalls ist der Einfluss der Parallelwelt auf seine Musik unüberhörbar. Schritt für Schritt entwickelte er sich von der modalen Miles-Kopie zurück zum modernistischen Traditionalisten. Drüben ist er einer unter vielen. Hier bei uns predigt er die Jazz-Wahrheit der anderen Welt und weiß sich in ihrem Alleinbesitz. Er ist der Unvergleichbare. Happy birthday, Wynton, in welcher Welt auch immer du feiern wirst.

Pit Huber

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4 Kommentare zu „Wyntons Welt“

  1. Ich finde es unverschämt, wie oft hier auf dem Namen Marsalis rumgehackt wird. Ich habe schon sehr oft von diesen Leuten Marsalis gelesen, so ganz schlecht können die ja wohl offensichtlich nicht sein. Es hat ja wohl einen Grund, warum nicht über Nieten wie mich geschrieben wird.

  2. Nö Pit, das ist zu böse. Da kann ich dir nicht folgen. Die Musik ist gut; eine Richtung im Jazz, nicht mehr und nicht weniger.

  3. Hey Chrisfried, jetzt fühle ich mich aber mal echt richtig missverstanden. Hast du nicht kapiert, dass das eine Liebeserklärung an Wynton ist?

  4. Sorry Pit, jetzt wo du’s sagst… ;-)

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