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Uwe Wiedenstried

„Equal goes it loose.“ – Heinrich Lübke selig soll diesen Satz einst der Queen zugeraunt haben.
H.M. (Her Majesty) fletschten huldvoll die Zähne. Verstanden haben dürfte Elisabeth nichts. „Lost in translation“ heißt das im Jargon der Dolmetscher: Eins zu eins lässt sich eine Sprache nicht in die andere übertragen. Etwas von der Botschaft bleibt immer auf der Strecke, verloren in Translatien, dem weiten Niemandsland zwischen Mutter- und Fremdsprache.

„Mann, was bin ich heute gut im Riff.“ – Dieses Zitat stammt nicht aus dem Tagebuch einer Koralle, sondern aus einer Louis-Armstrong-Biographie als Übersetzung von „Boy, am I riffin‘ tonight.“ – Irrtum, der Übersetzer war nicht Heinrich Lübke. Der Autor dieser Biographie ist Gary Giddings, zumindest steht dieser Name auf dem Buchdeckel: Giddings. Tatsächlich heißt er Giddins. Aber wer seinen Lesern schon „gut im Riff sein“ als authentischen Jazz-Talk andreht, macht auch nicht viel Gedöngs, Pardon, Gedöns um korrekte Orthographie.

In einem Porträt über Dizzy Gillespie erfahren wir Erstaunliches über seine Frau. Sie sei „eine hübsche Chortänzerin“ gewesen. – Gott, hilf! (Quatsch, natürlich ohne Komma und in einem Wort:) Gotthilf Fischer, Benedikt XVI. und Konrad Duden seien meine Zeugen: Menschen, die gemeinsam singen, sind ein Chor und der Altarraum einer Kirche ist einer. Wo tanzte Mrs. Gillespie? Um einen verdatterten Dirigenten herum oder zwischen Kruzifix und Chorgestühl? Nein, sie tanzte in einer Balletttruppe. Mrs. Gillespie war Chorusgirl, zu Deutsch: Revuetänzerin.

Aus demselben Buch: Kenny Clarke spricht über Charlie Parker: „Er erwärmte sich für Zahlen, von denen ich glaubte, ich hätte sie als Notation für das Schlagzeug erfunden.“ Kenny Clarke hat Zahlen erfunden? Neue Zahlen? Wenn das der gute Count Count aus der Sesame Street liest. Zu früh gefreut, Graf Zahl: Mr. Clarke hat keine Zahlen erfunden, sondern sich vermutlich ein Bezifferungssystem, eine Art Tabulatur, fürs Schlagzeug ausgetüftelt.

In einem Buch über Oscar Peterson steht Verblüffendes über den Down-Beat-Redakteur John Tynan:
Er sei „Westküsten-Herausgeber“. Frage an den Übersetzer: Handelt Mr. Tynan auch mit Ostküsten?

Auf derselben Seite erscheint der „Impressario“ Norman Granz. Impressario mit Doppel-s dürfte frei übersetzt so etwas wie „Eindruckschinder“ bedeuten. Vielleicht war Granz tatsächlich einer, aber von Beruf war er Impresario mit einem s, Konzertagent.

Eine Seite weitergeblättert: „Großartige Bassisten sind Schätze, die vom beiläufigen Hörer meist gar nicht wahrgenommen, aber von seinen Musikerkollegen hoch geschätzt werden.“ Dass es „ihren Musikerkollegen“ heißen muss und Hörer nicht die Eigenschaft besitzen können, beiläufig zu sein, mögen Professoren der Germanistik und andere Korinthenkacker bekritteln; die große Wahrheit dieser Sentenz, wem griffe sie nicht ans Herz: Hörer, laufe nicht bei! Nimm die Bassisten wahr! Jene von Musikerkollegen so hoch geschätzten Schätze, schätze sie auch!

Man muss nicht jede Erbse zählen. Shit happens. Flüchtigkeitsfehler, Stilblüten, darüber schmunzelt man und blättert um. Entscheidend ist das Wesentliche, die Musik: „Strukturell ist das Stück in Schichten aufgebaut, d.h. durch Stapeln einfacher Figuren, gewöhnlich von den separaten Sätzen des Orchesters gespielt.“ Wem es gegeben ist, Duke Ellingtons Meisterwerk „Ko-Ko“ in Worte von solch vollendeter Poesie zu kleiden, den muss man nicht verstehen, dem gelte unser aller Bewunderung.

Derartige Kleinodien meisterhaften Translatierens, es gibt sie in Hülle und Fülle. – But alas, my friends, when I not endly an end find, will HJS not very amused be.

Uwe Wiedenstried

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2 Kommentare zu „Verloren in Translatien“

  1. Hat nicht mit Jazz, sondern mit Segeln zu tun, trotzdem hier ein Beitrag aus meiner Urlaubslektüre (aus dem Englischen). Es handelt sich um einen Krimi, nicht um experimentelle Lyrik:

    „Die heulende Luft, die abgeschälte Karosserie, die Segel waren alle grau vor sich drehenden Windbäumen aus Schaum, als die Kruste vom Wasser abgetrennt wurde.“

    Unter vielen Beispielen nur das Irreste.

    Aber nicht vergessen: Übersetzer sind unter den Schreibenden wirklich die Allerschlechtestbezahlten. Wenn die auf einen menschenwürdigen Stundenlohn kommen wollen, können sie sich nicht auch noch Gedanken über Parameter wie Sinn oder Zusammenhänge machen.

    Es gilt also den Verlagen: Was nix kostet, ist auch nix wert.

  2. Nur Jazzkritiker werden noch schlechter bezahlt als Übersetzer.

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