Pit Huber

Seit drei Tagen befinde ich mich mit Pia im Geschlechterstreit. Nein, es geht nicht um die Emanzipation der Frau: Das Thema ist für mich durch seit Jennifer Lopez‘ letztem Video. Da wirft sie ein Dutzend Männer die Treppe runter, haut sie von den Beinen oder schlägt sie sonstwie krankenhausreif. Das ist nichts für mich, ich habe schon in der Schule Prügeleien gehasst. In Australien übrigens wurde ein Mann von seiner Frau erstochen, nur weil er Bruce Springsteen nicht mochte und das auch noch sagte. Also bitte, Jungs, seid vorsichtig. Und Mädels: erst mal herunterfahren und neu starten!

Zum Glück kämpft Pia lieber mit dem Verstand als mit Fäusten. Unser Geschlechterproblem ist auch eher grammatikalischer Natur. Angefangen hat es damit, dass sie wieder einen ihrer flüchtigen Blicke in diesen Blog geworfen hat. Und dann prompt sagte: „Wieso ‚diesen‘? Es heißt doch ‚das Blog‘! Kommt doch von Weblog! Das Logbuch der Enterprise, das kennst du doch?!“ Ich faselte dann irgendwas davon, dass es „das Log“ im Deutschen ja nicht gebe und „Blog“ so ähnlich klinge wie „Block“ – der Hausblock, der Holzblock, der Notizblock –, kurzum: das sei grammatikalische Assimilation.

Das ließ sie natürlich nicht gelten. Stattdessen tauchten wir immer tiefer in die Genus-Problematik der Lehnwörter aus dem Englischen, die bei sich zu Hause natürlich geschlechtslos sind. Und von denen es im Jazz ja reichlich gibt. Vor Jahren stritt ich mich schon mal mit einer Schweizer Redaktion über das Geschlecht von „battle“ – der? die? das? –, aber die Schweizer haben ja sowieso ein seltsames Sprachgefühl. In Willisau spielt man nie auf oder bei dem Festival, sondern stets „am“ Festival. Als ich das zum ersten Mal las, dachte ich an eine kleine Amateurbühne Richtung Hanffeld.

Auch über den oder das Riff besteht in der deutschen Jazzliteratur seit langem Uneinigkeit. „Nach deiner Theorie müsste es ja ‚das Riff‘ heißen, wegen: Korallenriff, grammatikalische Assimilation“, sagte Pia ein wenig giftig. In der Tat vermeiden gewiefte Autoren seit langem eine Festlegung und schreiben nur von „einem Riff“, „den Riffs“ oder einer „Riff-Figur“. Ich habe beschlossen, ab sofort auch ein gewiefter Autor zu sein.

Aber es ging immer weiter: Der, die oder das Jam? Der Intro, die Intro, das Intro? DER dritte Set im Jazzclub, aber DAS Drum-Set – oder umgekehrt? „Und wer sagt eigentlich, dass es ‚der Groove‘ heißen muss? Und ‚der Flow‘?“, fragte Pia. „Gerade diese Wörter haben doch einen total weiblichen Charakter.“ Ich verkniff mir die Frage, wie sie das jetzt genau meine, und lenkte lieber ab mit der Frühzeit des Jazz, als man in Deutschland in dieser Hinsicht sogar noch ein bisschen hilfloser war als wir: die Banden, der Jazz-Bänder, das Jazz-Drumm… Pia lächelte ein wenig, trumpfte dann aber auf: „Was willst du denn? Alles grammatikalische Assimilation! Müsste dir doch eigentlich gefallen!“

Menschen aus dem Heimatland des Jazz können einem in diesem Punkt auch nicht weiterhelfen. Die verstehen schon gar nicht, was man meint. Wenn man ihnen erklärt, dass der fette, alte Kater auf dem Sofa „die Katze“ heißt und die trächtige Labrador-Dame „der Hund“, kriegen sie sich kaum mehr ein. Dass es auch noch ein drittes Geschlecht geben soll, finden sie dagegen entweder enorm interessant oder reichlich pervers. Ihr könnt’s ja mal ausprobieren, wenn ihr einen Amerikaner trefft.

Ja, und dann kam sie natürlich, die Gretchenfrage. Mein Gretchen alias Pia grinste nur frech: „Sag mal, wie ist das überhaupt mit dem Wort Jazz? Jazz hat doch im Englischen nicht mal irgendeinen Artikel – erinnert mich an Bess oder Liz. Und so, wie ihr Männer Jazz liebt, müsste sie doch eigentlich weiblich sein. Siehe die Borussia, die Fortuna und die Arminia!“ Wenn Pia da mal nur nicht recht hat! Etwa so: Gott schuf Jazz am siebenten Tage – und als sie hörte, wie gut sie ihr gelungen war, grinste sie frech wie Pia.

Pit Huber

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2 Kommentare zu „Geschlechterstreit“

  1. Na da musste ich ja doch mal grinsen..
    Tja manchmal glaube ich die Frauen sind uns doch überlegen oder?
    Aber sagen würd ich das ihr natürlich nie ;)

  2. Apropos Springsteen-Tod in Australien!

    Meine Frau (sonst sehr milde gestimmt) droht mir gewaltig, wenn ich morgens um 6h beim Aufstehen „Night in Tunesia“ pfeife – was soll man(n) da nur sagen?

    Gruss aus Tunis!