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Julia Hülsmann

Gerade habe ich den Blog meiner Kollegin Lisa Bassenge über ihr Konzert im Jazzhaus Freiburg gelesen; ja, da ist es nett, in der Pause bekommt man meist auch einen delikaten Wein zu trinken. Wir waren gerade mit meinem Trio in Heidelberg im Karlstorbahnhof, auch sehr nett… Aber es war ja nicht immer so, dass ich die Gelegenheit hatte, Konzerte in schönen Clubs für nette Menschen zu geben… Ich musste mein Geld natürlich auch mit Muggen verdienen. Und da gab es wirklich den ein oder anderen Gig des Grauens. Vielleicht kann ich ein besonders traumatisches Erlebnis ja besser verarbeiten, wenn ich es mit euch teile.
Karnevalszeit in Köln (ja, ja, ich weiß, dieses Grauen kennen sehr viele Musiker, aber da ich als gebürtige Bonnerin nach Berlin gezogen bin, dachte ich, der Karneval bliebe mir hier erspart). Ich spielte Keyboard-Vertretung in einer Berliner Frauengalaband (auch das ein Klischee, ich weiß). Wir wurden eingeladen, bei einer Herrensitzung in Köln zu spielen. So weit, so gut, was man eben für Geld so macht. Bei der Probe stellte ich dann irgendwann fest, dass wir zwar einen Tusch und ein paar Einmärsche geprobt hatten, aber nicht ein einziges Karnevalslied. Das kam mir zwar spanisch vor, aber meine Kolleginnen machten sich keine Gedanken, war auch klar, da keine Rheinländerin dabei war.

Wir fuhren brav nach Köln und zogen unsere Glitzer- Klamotten an, die meiner Trompetenkollegin und mir nicht wirklich passten, weil wir ja Vertretung waren, und gingen auf die Bühne. Da wurde mir dann doch etwas mulmig; im Saal saßen ca. 500 Männer (vielleicht waren es auch 800, hab ich verdrängt) Skat spielend und Bier trinkend in einem hell erleuchteten Riesensaal – und das alles sonntagmorgens um 11. Wir spielten „Volare“ und ähnliche Meisterwerke und am Anfang des zweiten Sets wurden die Herren langsam unruhig. Es fing an aufzufallen, dass wir kein Karnevalslied konnten.

Also kam es, wie es kommen musste; innerhalb erschreckend kurzer Zeit buhte der ganze Saal, das war aber nicht alles. Sehr bald fiel der Männerschar wieder ein, dass wir ja schließlich Frauen sind, also wurde das Buhen kurzerhand zu einem lauten, einstimmigen Brüllen umgewandelt. Der ganze Saal schrie: AUSZIEHEN, AUSZIEHEN. Da wünscht man sich einfach ganz weit weg. Wir versuchten die Situation zu retten, indem wir „Mir lass der Dom in Kölle“ improvisierten. Das machte alles noch schlimmer. Also mussten wir schließlich von der Bühne fliehen und schnell zurück nach Berlin fahren.

Nach so einer Erfahrung kann ich es umso mehr schätzen, heute in der Lage zu sein, meine Musik in netten Clubs zu spielen. Vielen Dank an alle CD-Käufer und Konzertgänger!!!! Möge es noch lange so bleiben!

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2 Kommentare zu „Die Herrensitzung“

  1. schultzegetstheblues

    Wer sich in Gefahr begibt, kann darin umkommen.
    Nur, weil man etwas doof findet, sollte man es nicht für eine leichte Aufgabe halten.
    Karnevals-Gigs im Rheinland sind nur was für die wirklichen, schmerzfreien Harten, (werden deshalb auch gut bezahlt).
    Ich persönlich kenne genau 1 Jazzer, der sich das zutraut und durchzustehen in der Lage ist.

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