Jazz thing homepage Jazz thing news Jazz thing reviews Jazz thing media Jazz thing live - Tourneen, konzerte und festivals Jazz thing verlosung Jazz thing abonnement und backissues hallo jazz thing! e-mail adresse


Jazz thing & Blue Rhythm
82 83 84 85 86
77 78 79 80 81
 
editorial
contents
feature
jazz cooks
next generation
cd-box
cd-box 2
cd-box 3
premium-abo
backissues
abonnieren
Jazz thing news  

Gestorben: Willem Breuker

Beim Jazz thing Newsletter
anmelden
abmelden

 
29.7.2010
22.7.2010
15.7.2010

Willem Breuker Kollektief beim Bimhuis in AmsterdamDie Überschriften einiger Nachrufe auf Willem Breuker (1944-2010) haben sich auf den ersten Blick beinahe pietätlos gelesen: „Spaß am Free Jazz“ betitelte die „Süddeutsche Zeitung“ ihre Erinnerung an den holländischen Klarinettisten, Saxofonisten und Komponisten zum Beispiel, und die „Neue Musik Zeitung“ überschrieb ihren Text mit „Großer, kluger Clown des Jazz“. Der Grund für solche Überschriften ist wohl der, dass Breuker schon von Beginn an seine Improvisationsmusik gerne als eigenwilliges Happening, als klamaukige Performance inszenierte. Das entsprach sicherlich auch dem Zeitgeist der 68er-Generation, die mit witzigen Aktionen gerne dem so genannten bürgerlichen Establishment den Spiegel vor die Nase halten wollte. Doch Breukers Musik war mehr als nur ein vordergründiger, banaler Ulk. Als virtuos aufspielender Saxofonist und Klarinettist, als engagierter Bandleader und raffiniert schreibender Komponist entsprang seine Musik vielmehr einer kreativen und authentischen Ernsthaftigkeit, die weitaus tiefer reicht, als es seine Konzerte vielleicht vermuten ließen.

Willem Breuker Kollektief in ChinaEr mache Menschenmusik, hatte Breuker einst betont. Und so kam es, dass er mit seinem so eigenwilligen und persönlichen, Collagen-artigen Schreibstil das Werk eines Klassikers wie Joseph Haydn ebenso auf's Korn nahm wie etwa auch das von Kurt Weill, George Gershwin oder Duke Ellington. Breuker experimentierte gerne zum Beispiel mit seinem seit 1973 existierenden, zehnköpfigen Ensemble Kollektief mit der Formsprache des Jazz und persiflierte auch die Plattitüdenhaftigkeit der Avantgarde und des Free Jazz. Und er führte seine Musik nicht nur in den üblichen Spielstätten und Konzerthallen auf. Vielmehr ging er mit seinem Kollektief oft dorthin, wo eben „normale“ Menschen waren, auf Marktplätze zum Beispiel, oder zu Straßenfesten und in Gaststätten. Zudem war Breuker als Instrumentalist an einigen frühen Meilensteinen des europäischen Free Jazz beteiligt – wie beispielsweise Gunther Hampels „The 8th Of July 1969“ oder Peter Brötzmanns „Machine Gun“. Und er war unter anderem auch mit seinen „Brüdern im Geiste“, Misha Mengelberg und Han Bennink, dafür verantwortlich, dass Jazz und improvisierte Musik in Holland von staatlicher Seite finanziell gefördert wurden. Ohne diese kulturpolitsche Pionierarbeit wäre zum Beispiel die Existenz des Amsterdamer Bimhuis ebenso wenig denkbar wie die des von Breuker mitgegründeten Labels BVHaast . Am 23. Juli ist Willem Breuker nach langer, schwerer Krankheit in Amsterdam gestorben. Er wurde 65 Jahre alt.

Zusammengestellt von Christian Broecking, Stefan Franzen und Martin Laurentius.