Chris Potter Circuits Trio

Sunrise Reprise

(Edition/Membran)

Chris Potter Circuits Trio – Sunrise Reprise (Cover)Wie etliche andere Musiker hatte auch Chris Potter im letzten Jahr ein Lockdown-Album gemacht. Es zeigte den Multiinstrumentalisten als raffiniert aufgestelltes Overdub-Opus im Alleingang mit allem Drum und Dran inklusive virtuoser Soli. Sechs Wochen soll er an „There Is A Tide“ gefeilt haben. Doch dann kam ein Tag im September, als Potter mit seinem Trio ins Studio gehen konnte. Wie er hatten auch Drummer Eric Harland und der Keyboarder James Francies etliche Monate pausieren müssen. Auf „Sunrise Reprise“ ist die enorme Erleichterung zu spüren, endlich wieder miteinander spielen zu können. Jede Menge Keyboards und Elektronik, Harlands hochkomplexe Drums, die ganze Palette von Potters Blasinstrumenten (Tenor- und Sopransax, Klarinetten, Flöten) oszillieren die Sounds der Band. Das Trio lässt in halsbrecherischen Taktwechseln den Druck raus, türmt psychedelische Klanglandschaften auf, wo Francies die Register von Jazz-Rock und Funk-Fusion bis wuschigem Ambient plündert – nur einmal beschränkt er sich aufs Klavier, für ein Balladenduo mit Potter. Im Kern des Albums aber geht die Post ab, da geraten selbst 25 Minuten am Stück unterhaltsam, auch wenn man hier nur ein wiederkehrendes kurzes Melodieriff auskostet.

Text
Uli Lemke
, Jazz thing 139

Veröffentlicht am unter Reviews

Michael Wollny