Sie nennen ihn einen „Chaos-Architekten“ – vielleicht würde „Regisseur der Unlogik“ besser passen. Der Gitarrist und Banjospieler Brandon Seabrook macht eine Musik zwischen Traum und Trauma. Seine Melodien und Sounds klingen nach Jazz und Folk, aber auch nach Pop und Jahrmarkt und billiger Klassik. In den sieben Stücken reihen sich die Episoden brüchig und scheinbar absichtslos aneinander, die Motive treten auf der Stelle, die Harmonien drehen sich im Kreis, verheddern sich in Dissonanzen. Das hat etwas Tastendes und Visionäres, halb beglückend, halb bedrohlich – man wartet ständig auf die Katastrophe. Um den unheimlichen, quasi „filmischen“ Charakter der Musik noch zu betonen, hat Seabrook sein Trio mit Erica Dicker (Violine) und Henry Fraser (Bass) um einen Keyboarder erweitert, nämlich den grandiosen Elias Stemeseder, der 100 weitere Klangfarben einbringt. Genialische Traumszenen zwischen Folklore und Avantgarde … und manchmal fährt eine schmutzige E-Gitarre dazwischen.
Text
Hans-Jürgen Schaal
Ausgabe
, Jazz thing 163
Veröffentlicht am 02. Apr 2026 um 07:57 Uhr unter Reviews