Bird 100 I: ARD Radiofestival feiert Charlie Parker

Charlie ParkerCharlie ParkerDiese drei Namen prägen auch heute noch das Bild der Bebop-Revolution in den 1940er-Jahren. Da ist einerseits der Pianist Thelonious Monk (1917-1982), der gleichsam der Hohepriester dieser Revolution war und dem Bebop mit seinem kompositorischen Schaffen einen komplexen harmonischen Rahmen lieferte. Da ist andererseits der Trompeter Dizzy Gillespie (1917-1993), der als Entertainer, der er auch war, zum Gesicht dieser Musik wurde – und lautmalerisch mit „Bebop“ auf das diese Gattung prägende Intervall, den Tritonus, hinwies. Und dann ist da der Altsaxofonist Charlie „Bird“ Parker, am 29. August 1920 geboren und am 12. März 1955 gestorben, der als Solist zur Stimme für den damals neuen Bebop wurde und mit seinem zumeist in rasender Geschwindigkeit vorgetragenen Spiel auf dem Altsaxofon neue Maßstäbe im Jazz setzte.

Die gerade einmal 15 Jahre, in denen Parker auf der Szene zu erleben war, ließen ihn für die nachfolgenden Generationen zur Legende und zum Mythos zugleich werden. Legendär sind seine zumeist im halsbrecherischen Tempo geblasenen Solochorusse in Stücken aus dem „Great American Songbook“, die aber reharmonisiert waren und neue Themenköpfe hatten; so wurde zum Beispiel aus „How High The Moon“ dann „Ornithology“ oder die standardisierten „Rhythm Changes“ nach George Gershwins „I Got Rhythm“ wurden zur Grundlage des Parker-Songs „Anthropology“. Als hochsensibler Musiker führte Parker aber auch das zerrissene Leben eines Junkies, der zum Beispiel für einen Drogenschuss die Rechte an seiner Musik abgab.

Den 100. Geburtstag von Parker am 29. August nahmen die ARD-Jazzredaktionen zum Anlass, im ARD Radiofestival 2020 diese Jazzlegende zu ehren. „Bird Lives – Zum 100. Geburtstag von Charlie Parker“ bringt am Samstag, 30. August, ab 20:04 Uhr vier Stunden lang Aufnahmejuwelen dieses gleichermaßen genialen wie genialischen afroamerikanischen Jazzmusikers, man beleuchtet einige wichtige Karrierestationen Parkers neu und versucht zudem, das Tragische im Leben dieses Künstlers in einem anderen Kontext zu betrachten. Außerdem wird nach der Wirkung seiner Musik auf jüngere Generation gefragt und den Spuren Parkers hinein in aktuelle Strömungen zeitgenössischer Musik gefolgt – zum Beispiel in den HipHop, aber auch in die komponierte, Neue Musik.

Weiterführende Links
„Bird Lives – Zum 100. Geburtstag von Charlie Parker“

Text
Christian Broecking, Stefan Franzen, Martin Laurentius & Rolf Thomas

Foto
William P. Gottlieb/Library of Congress

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