Avishai CohenAvishai Cohen

Es sei ihm nie um die Trends des Marktes gegangen, sagt Manfred Eicher: „Ich produziere Platten, weil ich glaube, dass der Künstler und seine Musik in den ECM-Katalog passen.“ Als Eicher 1969 mit geliehenen 16.000 Mark sein Label „Edition Of Contemporary Music“, ECM, gründete, konnte man noch nicht ahnen, was kommt. „Free At Last“ hieß der ECM-Opener mit der Nummer 1001, eine Trioaufnahme des afroamerikanischen Pianisten Mal Waldron. Auf „Afric Pepperbird“, 1970 veröffentlicht, spielte dann ein völlig unbekannter Saxofonist aus Norwegen in der Tradition des lauten, aggressiven „Free Thing“, noch vier Jahre von dem entfernt, was zum introvertierten Sound der ECM-Ästhetik werden sollte. Doch der 1943 geborene Eicher förderte nicht nur Jan Garbarek, der Gitarrist Pat Metheny hatte 1975 mit „Bright Size Life“ sein Studio-Debüt bei ECM, und zwei junge amerikanische Pianisten, Keith Jarrett und Chick Corea, hatten bereits Anfang der 1970er-Jahre mit ECM-LPs Verkaufserfolge und große internationale Aufmerksamkeit für das noch kleine Münchner Label bewirkt.

Jan Garbarek und Keith Jarrett hatten gemeinsam, dass sie aus der Jazztradition kamen und die spontane Improvisation als Rahmenbedingung akzeptierten, auch dann noch, als bei Garbarek zunehmend folkloristische Stimmungen erkennbar wurden. Doch mit Steve Reich, Meredith Monk und Arvo Pärt verpflichtete Eicher für die vor 30 Jahren initiierte „New Series“ nun auch wichtige Vertreter der aktuellen notierten Musik. Zu den größten Verkaufserfolgen des Labels zählen Jarretts „The Köln Concert“, 1975 aufgenommen, Chick Coreas 1972er-LP „Return To Forever“, „Officium“, eine Produktion aus dem Jahre 1993 für die „ECM New Series“ mit Garbarek und dem Hilliard Ensemble, sowie Pat Methenys Album „Offramp“ aus dem Jahr 1981.

Zum Höhepunkt der weltweiten Feierlichkeiten anlässlich des 50-jährigen Jubiläums von ECM Records lädt Jazz @ Lincoln Center nun am 1. und 2. November in seine große Konzerthalle am Columbus Circle in New York. Auf dem Programm stehen Auftritte von Ravi Coltrane, Joe Lovano, Mark Turner, Ralph Alessi, Avishai Cohen, Enrico Rava, Wadada Leo Smith, Bill Frisell, Egberto Gismonti, Fabian Almazan, Nik Bärtsch, Marilyn Crispell, Giovanni Guidi, Ethan Iverson, Vijay Iyer, Shai Maestro, Andy Milne, Craig Taborn, Meredith Monk, Anja Lechner, Dezron Douglas, Matthew Garrison, Larry Grenadier, Drew Gress, Thomas Morgan, Barak Mori, Carmen Castaldi, Andrew Cyrille, Jack DeJohnette, Mark Ferber, Ziv Ravitz und Nasheet Waits.

Zum Gesamtkunstwerk der ECM-Soundästhetik gehören untrennbar auch die minimalistischen Cover-Motive. Die Künstler Jan Kricke, Jean Guy Lathuilière, Eberhard Ross und Thomas Wunsch stellen während des Festivals Enjoy Jazz derzeit ihre Arbeiten im Heidelberger Tankturm aus. Bei aller Unterschiedlichkeit der künstlerischen Ansätze und Techniken geht es ihnen um die Suche nach dem Wesenhaften des Klangs und nach der Essenz des Sehens. Bei der Ausstellung werden zudem auch Videoarbeiten des Regisseurs Ingo J. Biermann gezeigt, der viele ECM-Künstler porträtiert hat.

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Jazz @ Lincoln Center

Text
Christian Broecking, Stefan Franzen & Martin Laurentius

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