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Das nennt man einen veritablen Interessenskonflikt: Als Mitglied im Verein Jazz-Syndikat Saarbrücken, der seit 2002 jährlich im Herbst das mehrwöchige Jazzfestival Saarbrücken veranstaltet, hätte Thomas Brück wissen können, dass Vorstand und Verein durch die Rücktritte der zweiten Vorsitzenden Mitte 2016 und des Kassenwartes Anfang 2017 nicht mehr geschäftsfähig sind. Brück (Die Grünen) ist aber auch Kulturdezernent von Saarbrücken und verantwortet in dieser Funktion eine Summe von 32.000 Euro, mit der die saarländische Landeshauptstadt das Jazz-Syndikat für das Jazzfestival fördert – immerhin ein Drittel des Budgets 2017.

Der Interessenskonflikt wäre wohl nicht weiter ins Gewicht gefallen, wenn nicht die bis Ende November gelaufene, 16. Ausgabe des Jazzfestivals Saarbrücken in Liquiditätsschwierigkeiten geraten wäre. Erst bei einem Gespräch am 9. November, zur Halbzeit des letztjährigen Festivals, will Brück vom künstlerischen Leiter und Vereinsvorsitzenden Wolfgang Krause erfahren haben, dass dieser das Geld des Vereins im wahrsten Wortsinn verzockt habe. „Nach Kenntnisnahme der Probleme habe ich den Verein in meiner Funktion als Mitglied umgehend informiert und als Kulturdezernent habe ich vom Vereinsvorsitzenden Aufklärung eingefordert“, so Brück.

In Schieflage
Mindestens zehn Bands sind von der finanziellen Schieflage des Festivals betroffen. Regionale Acts wie das Kevin Naßhan Quintett, deutsche und europäische Gruppen wie das Alexandra Lehmler Quartett aus Mannheim, das Kathrin Pechlof Trio aus Berlin oder das Aki Rissanen Trio aus Helsinki und amerikanische Jazzgrößen wie Lee Konitz oder Miguel Zenón sind für ihre Auftritte beim Jazzfestival 2017 noch nicht bezahlt worden. Hinzu kommen unter anderem offene Hotelrechnungen und versprochene Reisekostenzuschüsse. All das zusammen ergeben für den Verein Jazz-Syndikat als Veranstalter des Festivals Verbindlichkeiten wahrscheinlich in Höhe von rund 30.000 Euro. Die exakte Summe lässt sich indes noch nicht beziffern, weil sich niemand in Saarbrücken die Mühe macht, alle offenen Posten zu recherchieren und zusammenzurechnen.

Die Probleme des Festivals fechten die Landeshauptstadt Saarbrücken nicht an. „Die Höhe der verbleibenden Verbindlichkeiten wird mit dem Eingang des Verwendungsnachweises überprüft. Dieser liegt noch nicht vor und wird eingefordert. Sollte die zweckmäßige Verwendung des Zuschusses nicht belegt werden, wird dieser vom Verein zurückgefordert“, so der Saarbrücker Kulturdezernent lapidar. „Der Landeshauptstadt hat es zu keiner Zeit zugestanden, mit den Vertragspartnern des veranstaltenden Vereins zu verhandeln oder diese gar zu warnen. Die Stadt hätte sich durch ein solches Handeln unter Umständen möglichen Regressforderungen des Vereins ausgesetzt.“

Text
Christian Broecking, Stefan Franzen & Martin Laurentius

Foto
Stadt Saarbrücken (Stadtansicht), Felix Groteloh (Alexandra Lehmler)

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