Openthebox Trio

Kai aus der Kiste

Möglicherweise sind es doch die Schlagzeuger, die frischen Wind in das leicht muffige Fachwerkhaus des Jazz bringen können, vielleicht auch, weil aus ihrer Perspektive vieles möglich ist, was ein klassischer Leader am Piano oder am Saxofon nie in Betracht ziehen würde.

Openthebox Trio (Foto: Nicole Müller)

Ein Trio ausschließlich mit Saiteninstrumenten zum Beispiel. Christian Krischkowsky traut sich wieder mal etwas völlig Neues, bislang eigentlich Unerhörtes. Zusammen mit dem Gitarristen Andreas Dombert („Er ist wahnsinnig virtuos.“) und dem Bassisten Axel Kühn („Mir gefällt sein rhythmisch klares Spiel.“) hat er das Openthebox Trio ins Leben gerufen, das in vier Songs noch durch den ebenfalls für Überraschungen jeder Fasson stehenden Organisten Kit Downes bereichert wird.

Die neun Eigenkompositionen Krischkowskys auf „Unperfect Buildings“ (Double Moon/Bertus) entfalten sich wie Kai aus der Kiste, verblüffen und führen die Hörer gerne auf falsche Fährten. In „Franz-Josef-Land“ kreiert der gebürtige Münchner keineswegs eine 1980er-Jahre-Metapher für Bayern, und in „Helmut“ will der 53-Jährige mitnichten dem früheren Bundeskanzler huldigen, sondern vielmehr dem Kultregisseur Helmut Dietl, indem er Anleihen an dessen „Monaco Franze“ nimmt. Krischkowsky: „Ich denke, wer die Melodie im Ohr hat, merkt das.“

So ist ein bunter Strauß intelligenter, witziger Titel wie „Please, Hold The Line, Thelonious“ oder „Dolphins Near Venice“ entstanden, ein erstaunlich überraschendes Klangreservat voller Kanten, Atmosphäre und Schönheit. Das Erstaunliche dabei: Irgendwie bleibt alles eng an die Jazztradition angelehnt. Aber mit einem klaren Blick nach vorne. Raus aus der Kiste!

Text
Reinhard Köchl
Foto
Nicole Müller

Veröffentlicht am unter 152, Feature, Heft

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