Malika Tirolien

Reformieren ohne Groll

An der Grenze zum Jazz macht die in Montreal lebende Sängerin Malika Tirolien aus Guadeloupe auf ihrem Album „Higher“ (o-tone/edel) eine gute Figur.

Malika Tirolien (Foto: Headshots by James)

Die elf Songs präsentieren sich als Fusion aus afrofuturistischem Soul-Jazz, angetrieben von kraftvollen Rhythmen und der emotionalen honigsüßen Stimme Tiroliens. Hier entdecken wir eine Interpretin mit Seele, einem Sinn für Impulse, die eine Botschaft vermitteln und eine Klientel ansprechen möchte, die den Veränderungen in unserer Welt aufmerksam gegenübersteht.

„Mein Album befasst sich mit vielen Themen wie dem Aufstand der unterdrückten Bevölkerung, Sisterhood, der Elevation des Geistes, der Kraft, Prokrastination hinter sich zu lassen, Wut, Veränderung. Diese Themen sind der Weg von einem emotionalen Punkt zum anderen. Dabei ist es wichtig, alle Gefühle zu spüren, um in der Lage zu sein, ohne Groll etwas zu reformieren“, sagt Malika Tirolien mit Nachdruck.

Mit diesem gesellschaftspolitischen Bewusstsein im Hinterkopf kommt die Sängerin im April auf die von Jazz thing präsentierte Deutschlandtour – im Gepäck nicht nur „Higher“, sondern auch die aktuelle Single „Dreamin‘“. Erneut hat sie bei der Produktion mit Michael League von Snarky Puppy kooperiert.

„Michael ist einer der Musiker, Produzenten und Komponisten, die ich am meisten bewundere und respektiere. Seine Leidenschaft und enorme Liebe zur Musik sind wirklich inspirierend. Da ich also bereits Vertrauen in seine Vision, Kunstfertigkeit und Arbeitsmoral habe, war es für mich ganz klar, ihn wieder um seine Expertise zu bitten.“

Sicher die richtige Entscheidung, brachte ihnen ihre Zusammenarbeit in der Band Bokanté doch schon Grammynominierungen und Titel wie „A World Music Super Group“ ein. Diese Bestätigungen zeigten Tirolien, wie wichtig es ist, international aktiv zu werden und sich nicht nur auf den heimischen Markt zu beschränken.

„Allein der Versuch, hier ein Label für mich zu finden, war unglaublich schwer. Man sagte mir wortwörtlich, dass meine Musik nie funktionieren würde“, erinnert sich die Sängerin an frühere Tage und beschließt unser Gespräch lachend mit den selbstbewussten Worten: „Ich hatte also keine andere Wahl, als nach Höherem zu streben.“

Text
Olaf Maikopf
Foto
Headshots by James

Veröffentlicht am unter 148, Feature

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