Lisa Bassenge

Letztens auf dem Weg nach München kaufte ich mir (wie ich zu meiner Schande gestehen muss) das Käseblättchen Gala, um mich auf der langweiligen Fahrt etwas zu amüsieren. Nachdem ich das Magazin verschlungen hatte, stellte sich ähnlich wie nach einem Mittagessen beim Autobahn-Amerikaner ein Gefühl pappsatter Leere ein und ich sagte gähnend zu meinen Mitreisenden: „Oh Mann! Was ist denn daran so interessant, was Angelina Jolie gestern zu Mittag hatte! Als wär mein Leben nicht so auch schon langweilig genug!“

Da entgegnete mein Mitreisender Paul: „Ach, Anneliese, sei nicht wirsch!“ (Wirsch bedeutet nämlich das Gleiche wie unwirsch, wie ich unlängst im Radio hörte.) Er sagte also: „Anneliese, sei nicht wirsch, ich erzähl dir eine lustige Begebenheit, die einem Kameraden von mir zustieß, als er mit Goethe (also natürlich nicht „the real Goethe“, sondern mit Geldern des Goethe-Instituts) auf Afrika-Tournee war. Dann wirst du sehen, dass das Leben eines Jazzmusikers viel interessanter ist als das, was Angelina zu Mittag hatte.

Besagter Genosse, ein Pianist aus den neuen Bundesländern, war also auf Goethe-Tour in Lagos/Nigeria. Eines Abends wurde er von ein paar Franzosen eingeladen, diese zu begleiten zum legendären „African Shrine“, dem Club, der ursprünglich von Fela Kuti gegründet wurde und nach seiner Zerstörung von Felas Sohn Femi wieder aufgebaut wurde. Er betrat also das „Shrine“ und wurde den spielenden Musikern als Gast aus einem fernen Land vorgestellt, woraufhin er eingeladen wurde einzusteigen. Die ganze Zeit wurden dicke qualmende Zigaretten auf Tabletts herumgereicht und unser Freund wurde als fremder Gast besonders zuvorkommend behandelt. Nun hatte er in seinem Leben zwar schon viel geraucht, aber noch nie solche seltsam schmeckenden Gewürzstängel. Der geneigte Leser mag sich ja vielleicht schon denken. was dies für Zigaretten waren, näääämlich? Genau! Haschisch-Zigaretten! Der Held der Geschichte fühlte sich daher auch kurz vor der Ohnmacht, stolperte hinaus vor die Tür und direkt in einen Graben, in dem Abwässer und Kloake abflossen. (Nicht zu vergessen: SEIN ANZUG WAR WEISS!!!!!).

Damit aber nicht genug: Der Abend war zwar schon etwas fortgeschritten, trotzdem war unser Freund noch in der französischen Botschaft auf ein Diner geladen, wo er total bekifft und mit stinkendem, dreckigem Anzug aufkreuzte und dann beim französischen Botschafter eine Dusche nahm, allerdings in Klamotten. HAAAHAAAHAAA! Derselbe Genosse hat übrigens auch in volltrunkenem Zustand ein Hemd beschmutzt mit dreitausend Mark Gage darin und es dann aus dem Fenster geworfen. Und natürlich das Geld darin vergessen. Au wei!“

„Oh“, sagte ich, „lieber Paul, nun bin ich nicht mehr wirsch, die Geschichte war weitaus interessanter als das, was Angelina zu Mittag hatte. Und sieh nur, der Zug rollt schon in München ein!“ Und so sind wir alle zufrieden in München angekommen und haben gleich Weißwürste zu Mittag gehabt. Obwohl man die ja eigentlich zum Frühstück essen soll.
Bis bald, ihr Lieben, und eine geruhsame Vorweihnachtszeit wünscht euch:

Lisa Bassenge

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