Gestorben: Mighty Sparrow

Mighty SparrowMighty SparrowSchon 1970 hatte sich der Calypso-Sänger Mighty Sparrow in dem Song „Sparrow Dead“ über Gerüchte über sein Ableben lustig gemacht, aber nun ist es real: Mighty Sparrow ist im Alter von 91 Jahren gestorben. Seit seinem ersten Sieg beim „Calypso Monarch“-Wettbewerb auf Trinidad 1956 ist er einer der erfolgreichsten und beliebtesten Calypsonian weltweit. Zum „Calypso King of the World“ rief er sich selbst aus, aber es gab niemanden, der ihm den Titel streitig machte, nicht einmal der ihm in freundschaftlicher Konkurrenz verbundene Lord Kitchener. Sparrow wurde am 9. Juli 1935 als Slinger Francisco auf Grenada geboren, kurz bevor seine Eltern mit ihm nach Trinidad zogen. Sie waren nicht begeistert von der Karrierewahl ihres Sohnes, doch der Erfolg gab ihm recht. Seinen Bühnennamen erwarb er durch seine energetische Bühnenpräsenz.

Zwei Jahre nach seinem Wettbewerbs-Debüt gewann er mit seinem Titel „Jean and Dinah“ die zwei wichtigsten Konkurrenzen, „Carnival Road March“ und „Calypso Monarch“, deren Ranglisten er für die folgenden Jahre dominieren sollte. Zwei Mal errang er zudem den Titel „King of Kings“. Nachdem er den Wettbewerben den Rücken gekehrt hatte, nahm er weiterhin etliche Singles und Alben auf und blieb sowohl in Trinidad und Tobago als auch in der Diaspora in Großbritannien und den USA als Live-Act erfolgreich. Als junger Mann ein Verfechter der Unabhängigkeit vom britischen Empire, engagierte sich Sparrow politisch auf Seiten des linken Politikers und ersten Premierministers von Trinidad und Tobago, Eric Eustace Williams. Auch in seinen Texten nahm er kein Blatt vor den Mund. In der Calypso-Tradition, jede Zeitungsmeldung zum Anlass für einen Song zu nehmen, thematisierte er die Tagespolitik in Trinidad und Tobago ebenso wie Geo-Politik und Cricket-Matches, aber auch in seinen grellsten Songs über Sex oder Kannibalismus steckte oft ein kritischer Kern.

Die Transition vom Calypso zum Soca überlebte Sparrows Karriere als Live-Entertainer und Autoritätsfigur unbeschadet, auch als die Plattenverkäufe international zurückgingen. In den 1980er-Jahren wurde New York zu seiner zweiten Heimat und Inspiration für neue Songs. Mehr als 700 Calypsos stammen aus seiner Feder, und mehr als 70 Alben finden sich in seiner Discografie. Zu seinen zahlreichen Auszeichnungen und Ehrenwürden gehören der „Order of the Republic of Trinidad and Tobago“ und ein „Order of the British Empire“. Gesundheitliche Probleme konnte er zweimal überwinden und mit erneuten Bühnen-Comebacks feiern. Mighty Sparrow starb am 27. September in New York, er hinterlässt eine Ehefrau und neun Kinder.

Text
Eric Mandel
Foto
Public Domain

Veröffentlicht am unter News

Leverkusener Jazztage