Agneya

Indo-Jazz-Fusion

Timing ist alles in der Musik – nicht nur beim Spielen. Manchmal kommt es darauf an, Gelegenheiten beim Schopfe zu packen. Die Karriere des Schlagzeugers Agneya Chikte ist ein gutes Beispiel.

Agneya (Foto: Artist)

Sie begann in West-Indien, wo er unter dem Einfluss John McLaughlins anfing, sich für Jazz zu interessieren. Er erinnert sich: „Ich bin mit Volksmusik und klassischer Tradition aufgewachsen, Improvisation war mir also nicht fremd. Aber der westliche Aspekt, der Jazz, der war ganz neu für mich. Die einzige westliche Musik, die ich damals kannte, waren Rock und Metal.“

Als eine kanadische Jazzband durch Indien tourte, folgte Agneya ihr durch mehrere Städte, nahm an ihren Workshops teil und wurde schließlich auf die Bühne gebeten. Das veranlasste ihn, selbst in Toronto Jazzschlagzeug zu studieren. In der multikulturellen Stadt nutzte er jede Gelegenheit, seinen Horizont zu erweitern. Er zählt auf: Shona-Musik mit einer simbabwischen Band, nigerianischen Yoruba-Soul, einen syrischen Klarinettisten, traditionelle irakische Makam-Musik, klassische wie moderne indische und pakistanische Musik – und auch mal straighten Jazz.

„Ich war nicht unbedingt der beste Bebop-Schlagzeuger, auch nicht der beste Rock-Schlagzeuger. Aber es hat sich eben ergeben, dass ich viele verschiedene Musikrichtungen gespielt habe, und das hat mich geprägt“, erinnert er sich.

Seinem Bachelor folgten Master und Stipendien in Norwegen und Berlin, wo er heute einen Wohnsitz hat. Mit dem Debütalbum „Agneya“ (Agneya Chikte Music) hat er sich Zeit gelassen, bis das Material genügend erprobt war, es in je einer Session in Kanada und Berlin aufzunehmen. Den Schlüssel für die komplexen Arrangements liefert er zu Beginn des Stückes „Teleology“ mit, indem er den zugrundeliegenden Rhythmus nach Art des südindischen Konnakol vorsingt. Er verrät: „Jede einzelne Komposition basiert auf einem solchen rhythmischen Zyklus oder einer polyrhythmischen indischen Idee.“ Das gilt auch für seine Bearbeitung von John Coltranes „Naima“, das er re-afrikanisiert, inspiriert vom Djembé-Virtuosen Mamady Keĩta. Timing ist eben alles.

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Eric Mandel
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Veröffentlicht am unter 165, Feature, Heft

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