Das Komponieren darf man sich bei dem armenischen Pianisten wohl wie ein Konstruieren vorstellen, wo er aus Legosteinen, Playmobil und Fischertechnik kuriose und dennoch statisch stabile Skulpturen erschafft. Mit spitzen Lippen gepfiffene Motive tänzeln auf elektrischen Bässen, Chöre umnebeln Arpeggien, umspielt von Trompetenklängen und Kirchenglocke, und alles wird gekittet mit elektronischen Beats. Spielen da drei, acht oder doch alle zwölf Musiker? Zweitrangig. Hamasyan schweißt mit Verve zusammen, was nicht zusammengehört: Folklore, Rock, Electronic. Dass die 14 Puzzlemomente in vier Studios über eine Spanne von zwei Jahren eher zusammengebastelt als eingespielt wurden, schadet ihrer Kohärenz nicht. Was woher stammt, wird zur Nebensache angesichts der überraschenden Eingängigkeit der Tonwerke.
Text
Thorsten Firlus
Ausgabe
, Jazz thing 163
Veröffentlicht am 11. Mai 2026 um 07:58 Uhr unter Reviews