Die Hierarchien zwischen Stimme und Percussion aufzulösen, ist die Mission des Duos Unsere Eltern, bestehend aus Vokalistin Anastasija Stanojevic und Schlagzeuger Noah Studer. Dafür schickt Stanojevic ihre Stimme durch eine Reihe elektronischer Effektgeräte, die das Signal vervielfachen, loopen und harmonisieren. So legt sich eine geisterhafte Aura um die durchweg nonverbalen Gesangsparts, die sich im extremsten Fall zum Vocoder-Sound à la Roger Troutman verbiegen und die Originalstimme nur in kurzen Passagen durchscheinen lässt. Der Klang des Schlagzeugs wird ebenfalls durch eine Reihe von Effekten gejagt, bleibt aber in seiner Grundstruktur aus Kick, Snare, Hi-Hat und Becken immer als solcher zu erkennen. Der Schlüssel zur flachen Hierarchie heißt Rhythmus. Das Duo verlässt in den sieben Stücken nie das selbst gesetzte Gitter des Grooves. Die Frage, wer dabei führt und wer folgt, wird im Prozess schnell überflüssig, da sie alle Türen der spontan entstehenden „Arrangements“ gleichzeitig nehmen. Insofern: Mission erfolgreich.
Text
Eric Mandel
Ausgabe
, Jazz thing 163
Veröffentlicht am 14. Mai 2026 um 07:57 Uhr unter Reviews