Es war eine Zeit, als amerikanische Musiker europäischen Kolleg/-innen gerne zeigten, wo der Jazzhammer hängt, Stichwort Marsalis-Family. Auch Roy Hargrove war einer von denen, die sich in dieser Ära mit vollem Einsatz in den Neotraditionalismus stürzten. Der Konzertmitschnitt vom Jazzfestival Bern vom Mai 2000 passt gut zu dieser Idee, denn der damals 30-jährige Trompeter und sein Quintett erweisen sich als supervirtuose Postbop-Botschafter mit viel Jazz Messengers und Adderly Brothers im Stammbaum. Sherman Irbys rasendes Altosaxofon, Larry Willis‘ zwischen Romantizismen und Tonkaskaden changierendes Klavier, die treibende Rhythmusgruppe mit Bassist Gerald Cannon und Drummer Willie Jones III und Hargroves beeindruckend energiedurchflutete Trompete on Top sind exquisit klassischer Combojazz. Eine Konzertaufnahme, die der Co-Produzent des Albums Zev Feldman nun als Teil seiner unermüdlichen Editionsarbeit sorgfältig gemastert und kommentiert zugänglich macht.
Text
Ralf Dombrowski
Ausgabe
, Jazz thing 163
Veröffentlicht am 14. Mai 2026 um 07:59 Uhr unter Reviews