Shalom-Musik.Koeln: ZUHÖREN

Avi AvitalAvi AvitalIn einer Zeit, die von lauten Debatten und schnellen Urteilen geprägt ist, die Menschen polarisiert und Gesellschaften spaltet, will das Festival Shalom-Musik.Koeln mit seinem Programm ein Zeichen setzen. Unter dem Motto „ZUHÖREN“ lädt es vom 1. bis 10. September dazu ein, die vielfältigen, oft ungehörten Klänge jüdischer Musik als lebendigen und selbstverständlichen Teil der Kölner Stadtgesellschaft zu erfahren. Gemeint ist aber nicht nur, dass man in Zeiten der allgegenwärtigen Algorithmen das Hören von Musik neu lernen soll, sondern auch, dass wir Menschen einander zuhören müssen, um besser miteinander umgehen zu können. Dieses Festival für jüdische Musik will seine Besucher/-innen auch zum Dialog auffordern, um Gräben zu überbrücken und Grenzen zu überwinden. Zudem findet es kurz vor Rosch ha-Schana, dem jüdischen Neujahrsfest, statt, dessen Beginn durch den durchdringenden Klang des Schofars markiert wird. So schafft das Festival Raum für Aufmerksamkeit und Begegnung in einer Zeit, in der jüdisches Leben in Deutschland wieder mehr unter Druck gerät.

Neben Konzerten mit sakraler jüdischer Musik, weltlichem Pop und Folk, sinfonischer und Kammermusik (das lässt sich am „Langen Tag mit jüdischer Musik“, am 6. September, an vielen Orten in Köln bei freiem Eintritt erleben) geht es auch am 3. September ums Zuhören, wenn im Ventana Köln der Pianist Omer Klein auf den Mandolinenvirtuosen Avi Avital trifft. Der eine, Klein, begegnet als Improvisationskünstler dem anderen, dem klassischen Musiker Avital. Zusammen machen sie sich auf die Suche nach Anknüpfungspunkten zwischen einem zeitgenössischen Jazz hüben und der Musik des Barock, der Klassik und der komponierten Moderne drüben. Das verlangt von beiden feine Ohren, weil nur so sich Nuancen und Details im Spiel des anderen erkennen lassen.

„Artist in Residence“ ist in diesem Jahr Bar Zemach. Der junge Musiker aus Berlin, Hornist in Daniel Barenboims West-Eastern Divan Orchestra, spielt als einer der ersten weltweit den Schofar (ein uraltes jüdisches Ritualinstrument) als chromatisches Soloinstrument und schlägt eine Brücke zwischen sakraler Tradition und zeitgenössischer Konzertpraxis. Dann unter anderem noch im Programm von Shalom-Musik.Koeln: das Jewish Chamber Orchestra Hamburg, ein musikalisch-literarisches Porträt des jüdischen Kölner Komponisten Jacques Offenbach oder die Grande Dame der jiddischen Liedkunst, Shura Lipovsky.

Weiterführende Links
Shalom-Musik.Koeln

Text
Martin Laurentius
Foto
Christoph Kostlin

Veröffentlicht am unter News

Applaus 2026