Soundtrack to a Coup D‘ÉtatDas UNERHÖRT! Musikfilmfestival Hamburg findet in diesem Jahr vom 25. bis 29. November zum 20. Mal statt. Als Einstimmung auf die Geburtstagsausgabe gibt es am 3. September einen Jazzfilmtag im Hamburger Metropolis Kino. Gezeigt wird die spannende Doku „Soundtrack To a Coup D’État“ des belgischen Filmemachers Johan Grimonprez, die weniger dokumentarisch, sondern eher als eine Art Essay in Bildern zu verstehen ist. Grimonprez blickt auf den hoffnungsvollen Aufstieg Patrice Lumumbas zurück, der 1960 der erste Premierminister des gerade von Belgien unabhängig gewordenen Kongos war und wenige Monate später gestürzt und grausam ermordet wurde. Lumumba hatte die einstige Kolonialmacht Belgien und die USA herausgefordert, als er betonte, dass die Bodenschätze seiner Heimat den Menschen im Kongo gehörten. Dadurch wurde er zur Leitfigur einer panafrikanischen Bewegung, die unter anderem in den Vereinten Nationen gegen die Hegemonie des Westens aufbegehrte; gleichzeitig war das auch Grund für den Putsch durch die einstige Kolonialmacht Belgien.
„Soundtrack To a Coup D’Etat“ will den Hoffnungen nachspüren, die 1960 nicht nur im globalen Süden keimten. Jazz ist für Grimonprez die Begleitmusik dieser Bewegung, weil der stets ein Freiheitsideal verkörpert, das für die Aktivist:innen auch und gerade Hoffnung versprach. Im Film zu hören sind unter anderem Abbey Lincoln und Max Roach, aber auch Duke Ellington, Dizzy Gillespie, Melba Liston, Nina Simone oder Miriam Makeba. „Zu diesem Zeitpunkt gab es überall auf der Welt ein wachsendes Bewusstsein dafür, dass die Dinge grundlegend ungerecht waren, dass sie sich tatsächlich ändern konnten und es eine Bereitschaft für Veränderung gab“, so der belgische Filmemacher. „Es gibt zum Beispiel eine Verbindung zwischen der Bürgerrechtsbewegung in den USA und den Ereignissen in Afrika und anderswo auf der Welt, die Menschen wie Malcolm X und Abbey Lincoln inspirierten.“ Nach der Filmvorführung tritt das Hamburger Massoud Godemann Trio ab 22 Uhr in der Metropolis Kinobar auf.