Leipzig: Jazztage zum 47.

Aki Takase & Daniel ErdmannAki Takase & Daniel Erdmann„Wir haben viele Subkulturen in Leipzig, die mit experimentellen Formaten arbeiten und gar nicht mehr unter dem Jazzbegriff laufen“, sagt Annika Sautter vom Kuratorium der traditionsreichen Leipziger Jazztage, die dieses Jahr zum 47. Mal vom 14. bis 21. Oktober stattfinden. „In den vergangenen Jahren ist eine starke Hinwendung zu elektronischen Musikformen zu beobachten. Und viele Musiker/-innen, die gerade von der Hochschule kommen, sind auf der Suche nach Stilistiken, die nicht mehr dem engen Jazzbegriff folgen. Dadurch passiert es beinahe automatisch, dass sich bei uns neue Entwicklungen zeigen. Wir lassen uns nicht begrenzen, nur weil das jetzt kein Jazz nach traditioneller Vorstellung ist.“

Dazu passt auch das diesjährige Motto dieses ostdeutschen Festivals, „Stell die Verbindung her“, mit dem klargestellt werden soll, dass die Jazztage auch ein Podium sind für Musiker/-innen, „die sich trauen, in ihren zwischenmenschlichen Begegnungen Grenzen zu überschreiten und große Distanzen zurückzulegen: stilistisch, disziplinär, kulturell, politisch, geografisch“, merkt Sautter in ihrem Grußwort an: „Musiker/-innen, die sich empathisch ihrem Umfeld zuwenden, sich mit Vergangenheit und Tradition verbinden, die Ursprünge ihrer Identität erkunden, gleichermaßen aber auch in der Gegenwart verortet sind und Zukunftsvisionen entwickeln, die ihre jeweils ganz eigene Geschichte zu erzählen haben.“

Eine besondere Verbindung haben die Pianistin Aki Takase und der eine Generation jüngere Saxofonist Daniel Erdmann. Vor gut 25 Jahren war Erdmann noch Schüler von Takase, als er in Berlin Jazzmusik studierte. Seit drei Jahren spielen die beiden als Duo zusammen und vertiefen ihre Vorstellung, mit ihrer Musik Gräben zu überbrücken. Die mittlerweile in Köln lebende, brasilianische Schlagzeugerin Mariá Portugal kommt mit ihrem mit deutschen Musiker/-innen besetzten Erosão Septet nach Leipzig, um im freien Spiel der improvisatorischen Kräfte gängige Hierarchien zwischen Komposition und Improvisation, zwischen Stimme und Instrument zu hinterfragen. Portugals Instrumentalkollegin Marilyn Mazur bringt mit ihrem panskandinavischen Oktett Shamania geballte Frauenpower auf die Bühne, während der schwedische Expat in Berlin, der Bassist Petter Eldh, mit der Schlagzeugerin Sun-Mi Hong aus Amsterdam sein ambitioniertes „Projekt Drums“ in Leipzig aufführen wird.

Dann gibt es noch die Kooperation zwischen der Leipziger Spielvereinigung Süd und dem Vokalensemble Sjaella, für die der Kölner Komponist Jan Schreiner eigens das Programm „So nah und doch so fern“ geschrieben hat. Und noch ein weiteres, großformatiges Vokalprojekt kommt zur Aufführung. Die drei Komponist/-innen Theresia Philipp, Florian Ross und Andreas Theobald haben für den MDR-Rundfunkchor einige Gesangsstücke geschrieben, die im Rahmen der Leipziger Jazztage als „A Kind Of … Choral Music“ Premiere haben. Dann unter anderem noch im Programm der 47. Leipziger Jazztage: das Joanna Duda Trio, Joel Ross mit Good Vibes, Linda Fredriksson, Tigran Hamasyan mit seinem Trio oder Eric Schaefer mit seinem Ensemble Hayashi.

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Leipziger Jazztage

Text
Martin Laurentius
Foto
Dirk Bleicker

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