RIP: Tristan Honsinger

Tristan HonsingerTristan HonsingerWenn Tristan Honsinger auf seinen Konzerten zu einem seiner urkomischen, dadaistischen Sprachspielen ansetzte, wurde aus dem frei improvisierenden Cellisten auf einmal ein burlesk agierender Clown, der sein Publikum spontan auf’s Vortrefflichste zu unterhalten wusste und es oftmals zum Lachen brachte. Für Honsinger waren Jazz und improvisierte Musik halt nicht nur eine ernste Angelegenheit. Die Menschen vor der Bühne sollten und wollten vielmehr auch unterhalten werden – und zwar vom musikalischen Vortrag ebenso wie von der eigentlichen Performance. Da blieb Honsinger ganz der US-Amerikaner, als der er 1949 in Burlington, Vermont, geboren wurde: der Künstler als Entertainer, dem ein direkter Kontakt mit seinem Publikum stets wichtig war.

Honsinger studierte klassisches Cello am Peabody Conservatory in Baltimore. 1969 zog er erst ins kanadische Montreal um, bevor er 1974 nach Europa ging. Er ließ sich in Amsterdam nieder, wo er mit dem Pianisten Misha Mengelberg und dem Schlagzeuger Han Bennink auf Gleichgesinnte traf, die ähnlich wie er das Experiment mit einer frei improvisierten Musik oftmals humoristisch-humorvoll angingen. Mit den beiden Holländern spielte Honsinger in dem von ihnen geleiteten ICP-Orchestra, arbeitete aber auch mit Derek Bailey, Steve Lacy, Alexander von Schlippenbach oder Cecil Taylor zusammen. In den Liner-Notes von „Always A Pleasure“, der CD, die ein Konzert mit Taylors Ensembles und Honsinger dokumentiert, heißt es über den Cellisten: „Honsinger spielt die Melodien, Honsinger spielt Ereignisschichten, und die Organisation dieser Ereignisse ist das wichtigste Kriterium für die Entwicklung dieser Musik.“

1978 zog er nach Italien, wo er unter anderem mit dem Posaunisten Giancarlo Schiaffini und dem Klarinettisten Gianluigi Trovesi zusammen kam. Honsingers eigene Bands hießen zum Beispiel This, That And The Other (unter anderem mit Toshinori Kondo und Michael Vatcher) oder HDRS mit den Berlinern Axel Dörner (Trompete), Olav Rupp (Gitarre) und Oliver Steidle (Drums). Seit rund 20 Jahren trat er dann häufig mit dem Saxofonisten Tobias Delius auf, im Frühjahr wurden die beiden befreundeten Musiker mit dem jeweils mit 50.000 US-Dollar dotierten „Instant Award In Improvised Music“ ausgezeichnet. Am 5. August ist Honsinger im Alter von 73 Jahren im italienischen Triest gestorben.

Text
Martin Laurentius
Foto
Frank Schindelbeck

Veröffentlicht am unter News

jazzfuel