Berlin: Kollektiv Nights

Mariá PortugalMariá Portugal„Die Stimmung unter uns Berliner Musikern war vor 15 Jahren richtig mies: Alle spielten ohne Gage, keiner wurde so recht wahrgenommen, jeder kochte sein eigenes Süppchen, es herrschte eher ein Gegen- als ein Miteinander“, erinnert sich der in Berlin lebende Pianist Marc Schmolling. „Bei einem Konzert vom Andromeda Mega Express Orchestra Ende 2007 erzählte Gerhard Gschlößl von El Gallo Rojo. Wir waren sofort begeistert: Durch ein Kollektiv hätten wir endlich eine Möglichkeit an der Hand, um nicht mehr nur als Einzelkämpfer bestehen zu müssen, sondern als Gemeinschaft unsere Interessen durchsetzen zu können.“ Anfang 2008 kam es dann zur Gründung vom Jazzkollektiv Berlin. Seitdem haben Schmolling und Gschlößl (Posaune) zusammen mit Felix Wahnschaffe (Saxofon), Wanja Slavin (Saxofon), Ronny Graupe (Gitarre), Philipp Gropper (Gitarre) und Johannes Lauer (Posaune) jährlich unter anderem ihre Kollektiv Nights veranstaltet: Festivals, mit denen die Berliner Kollektivisten ihre vielschichtige und stilistisch breitgefächerte Improvisationsmusik einem immer größer – und auch jünger – werdenden Publikum präsentieren konnten.

Dieses Jahr steigen die Kollektiv Nights vom 29. bis 31. August in der Berliner Kunstfabrik Schlot. Den Opener macht das Trio [Selest] mit Graupe, der Vokalistin Lucia Cadotsch und dem Pianisten Kit Downes, gefolgt vom Solokonzert der Vibrafonistin (und aktuellen Gewinnerin des Jazzpreises Berlin) Taiko Saito und dem Quartett Schlapitzki mit Wahnschaffe und Schmolling sowie dem Bassisten Matthias Pichler und dem Schlagzeuger Moritz Baumgärtner. Schmolling ist noch einmal am Schlussabend zu hören, dann im Duo mit der Pianistin Isabel Anders. Außerdem im Programm: das Trio Vorwärts Rückwärts um Gschlößl, Slavin mit seinem neuen Quintett libelle, das Trio Camina mit der Cajon-Spielerin Laura Robles, dem Saxofonisten Peter Ehwald und Lauer am Fender Rhodes und das Sextett Deranged Particles um den Berliner Bassisten Felix Henkelhausen. Highlight der diesjährigen Kollektiv Nights könnte das Konzert mit der in Köln lebenden, brasilianischen Schlagzeugerin und Sängerin Mariá Portugal werden, die mit ihrem Septett Erõsao Viva (unter anderem mit der Saxofonistin Angelika Niescier und dem Bassisten Reza Askari) ins Schlot nach Berlin kommen wird.

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Jazzkollektiv Berlin

Text
Martin Laurentius
Foto
Florian Dürkopp

Veröffentlicht am unter News

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