111 Jazz-Alben, die man gehört haben muss111 Jazz-Alben, die man gehört haben muss

„Das Wesentliche steht im Jazz nicht in Noten, sondern geschieht jeden Abend neu. Die Geschichte dieser Musik ist daher auch eine Geschichte berühmter Aufnahmen – ob live oder im Studio – und damit: von Schallplatten und CDs, also Alben“, schreiben die beiden Autoren Roland Spiegel, Jazzredakteur bei BR-Klassik in München, und Rainer Wittkamp, Regisseur, Drehbuch- und Romanautor, der für seine Krimireihe mit dem Kommissar Martin Nettelbeck bekannt ist, im Vorwort zum kürzlich erschienenen Kompendium „111 Jazz-Alben, die man gehört haben muss“. Auf 240 Saiten bilden die beiden Autoren tatsächlich rund 100 Jahre Jazzgeschichte ab, in dem sie Albumklassiker von stilbildenden Jazzmusiker*innen aus den USA und Europa nicht nur auflisten, sondern auch mit kurzen, feuilletonistisch-essayistischen Texten einzuordnen wissen.

Natürlich hat man mit einem Kanon wie diesem auch die sprichwörtliche Qual der Wahl. Andere Autoren hätten wahrscheinlich eine andere Auswahl getroffen, manches Album und manche Kompilation mit Stücken von Musiker*innen war zu erwarten gewesen, andere wiederum tauchen überraschend auf. Klar, historische Aufnahmen von und mit Louis Armstrong, Duke Ellington, Count Basie, Charlie Parker, Thelonious Monk, Bud Powell, Charles Mingus oder Ornette Coleman sind ebenso dabei wie prägende Einspielungen von und mit Europäern – wie zum Beispiel von Albert Mangelsdorff, Krzystof Komeda, Peter Brötzmann, Enrico Rava oder Joachim Kühn.

Manche Wahl überrascht wiederum: „Auf der Elbe schwimmt ein rosa Krokodil“ vom ostdeutschen Zentralquartett/Synopsis zum Beispiel, oder „Fenix“ vom argentinischen Saxofonisten Gato Barbieri, „Liberation Music Orchestra“ von Charlie Haden, „At The Village Gate“ von Herbie Mann, „Meet The Jazztet“ von Art Farmer und Benny Golson oder „With Strings“ von Charlie Parker. Andere Veröffentlichungen sind so tief im kollektiven Bewusstsein verankert, dass sie in diesen „111 Jazz-Alben“ aufgeführt sein müssen: „Somethin‘ Else“ von Cannonball Adderly etwa, auch „Kind Of Blue“ von Miles Davis, „Free Jazz“ von Ornette Coleman, „A Love Supreme“ von John Coltrane oder „Bitches Brew“ erneut von Davis. Etwas „beliebiger“, weil die vielen CD-Veröffentlichungen den Überblick verstellen, ist die Auswahl für die aktuelle, improvisierte Musik: Brad Mehldaus „Songs – The Art Of The Trio Vol. Three“ folgt „Seven Days Of Falling“ von e.s.t., Wolfgang Muthspiels „Bright Side“ folgt „Certain Beauty“ von Heinz Sauer und Michael Wollny, Alexander von Schlippenbachs mit dem Globe Unity Orchestra eingespieltes „Globe Unity – 50 Years“ folgt „Pas De Géant“ von Camille Bertault. Spiegel und Wittkamps „111 Jazz-Alben, die man gehört haben muss“ ist im Kölner Emons Verlag erschienen und kostet 16,95 Euro.

Weiterführende Links
„111 Jazz-Alben, die man gehört haben muss“

Text
Christian Broecking, Stefan Franzen & Martin Laurentius

Veröffentlicht am unter News