Bezau Beatz 2019

Joachim Kühn 'Melodic Ornette Coleman'Joachim Kühn ‚Melodic Ornette Coleman‘Fängt mit „Morning In America“ an, geht mit zahlreichen Norwegern, einem legendären Germanen, der bekanntesten Perkussionistin Dänemarks und dem Cinematic Orchestra weiter. Das kann nur ein Jazz thing Mixtape sein. Ist es auch. Aber der Reihe nach. Durand Jones & The Indications, also: Die Anhaltspunkte sind fünf Studienfreunde aus Bloomington, Indiana, die sich auf Soul-Götter wie Jackie Wilson oder Curtis Mayfield und seine Impressions berufen und dabei „daptonend“ im Post-Retro-Soul unserer Zeit funktionieren. Ihr „Morning In America“ knüpft vielleicht auch bei Gil Scott-Herons „Winter In America“ an. Denn trotz der frühen Stunde kann der Leadsänger hier die Morgenröte nicht erkennen – und damit wohl auch nicht das Licht am Ende des Tunnels. Der „Stono River“ in der Nähe von Charleston, South Carolina, kommt in diesem kontinentalen Roll-Call nicht vor, dafür widmet ihm Keyboarder Bobby Sparks II ein komplett eigenes Stück. Dieses Update von Sam Cookes „A Change Is Gonna Come“ findet sich auch auf Sparks‘ monumentalem Album „Schizophrenia“, auf dem der Prince-, Snarky Puppy- und RH-Factor-Mitspieler seine abgehangene Vision einer Funk-Jazz-One-Nation-Under-A-Groove zelebriert. Das Producer-Duo Tensei aus Chicago betrachtet die schöne neue Jazz-Groove-Welt am liebsten durch eine Hip-Hop-Linse, wie etwa bei „Ask Them“ mit dem ebenfalls aus Chicago stammenden Sänger Yaw, einem Kinderchor und der Percussion-Gruppe um Najite & Olokun Prophecy. Auf nach Norwegen.

Passend zu einem Bericht unseres Redakteurs Martin Laurentius – auch anlässlich der Partnerschaft des Nordlandes mit der diesjährigen jazzahead! in Bremen – sind hier einige seiner Entdeckungen zu hören. GURLS bilden eine Supergroup um Rohey, Ellen Andrea Wang und Hanna Paulsberg. Letztere leitet die Gruppe Hanna Paulsberg Concept & Magnus Broo, deren „Little Big Saxophone“ wir hier hören. Die Musik des Hedvig Mollestad Trios wurde schon „Jazz Sabbath“ genannt, vielleicht auch, weil Mollestad schon mit Black Sabbath auf einer Bühne stand. Aus dem unweit gelegenen Dänemark kommt Europas bekannteste Perkussionistin. Marilyn Mazur hat jetzt mit „Shamania“ eine ausschließlich aus Musikerinnen bestehende Großformation zusammengestellt, hier mit „Crawl Out & Shine“ vom gemeinsamen Debüt. Das Cinematic Orchestra meldet sich mit dem Album „To Believe“ zurück, Joachim Kühn spielt noch mehr Ornette-Coleman-Raritäten solo am Klavier ein und die amerikanische Jazz-Sängerin Vanessa Rubin widmet ihr neues Album den Kompositionen von Tadd Dameron, auch bekannt als „Romantiker des Bebop“. Den Abschluss bilden Fazer aus München mit einem Stück von ihrem in London aufgenommenen Album „Nadi“. Der Titel „Pop Up“ eignet sich überhaupt nicht für eine ausklingende Überleitung oder gar die Anknüpfung an die Eröffnungsnummer. Großartig ist er trotzdem. Mit Götz Bühler ab 12 Uhr im Jazz thing Mixtape am 22. März auf ByteFM.

Weiterführende Links
Jazz thing Mixtape 146
ByteFM

Text
Christian Broecking, Stefan Franzen & Martin Laurentius

Veröffentlicht am unter News