Jazzdor-Eröffnung mit Ralph TownerRalph TownerEs ist die 32. Festivalausgabe, die Philipp Ochem kuratiert hat. Vom 10. bis 24. November ist die elsässische Metropole Straßburg mit ihrem Festival Jazzdor erneut Anlaufstelle für zahlreiche Bands und Musiker, die sich geografischen und musikalischen Kategorien entzogen haben. Denn wenn Jazz und improvisierte Musik eines sind, dann das: international und transkulturell. Dem Gros der Jazzmusiker geht es hauptsächlich um Austausch untereinander und um Kommunikation miteinander. Grenzen werden dabei nicht nur durch die Kooperationen der Instrumentalisten aus aller Herren Länder überbrückt. Vielmehr geht es in der Regel auch und gerade darum, Barrieren gleich welcher Art kreativ in Frage zu stellen und die Grenzanlagen und -zäune mit den musikalischen Mitteln und Möglichkeiten des zeitgenössischen Jazz niederzureißen. Das ist es, weshalb ein Jazzkonzert so spannend für das Publikum ist: Wenn auf der Bühne Musiker mit unterschiedlichen musikkulturellem Hintergrund und Tradition gleichermaßen nach dem Gemeinsamen und dem Gegensätzlichen suchen, wenn sie mit den Mitteln des Dialogs im improvisatorischen Prozess den Moment suchen, in dem Jazz zum Ausdruck des eigenen Seins wird.

„Das Jazzdor-Team ist hellhörig für alle neuen Vibrationen und musikalischen Räume, für den permanenten Prozess der Selbsterneuerung im Strom der Zeit, im Widerstand zum bloßen Zeitgeist und zum Markt, die uns dazu drängen, die Ware jener zu konsumieren, die am lautesten rauschen im digitalen Blätterwald“, ist Ochem überzeugt. „Wir sehen Straßburg als Hauptstadt für einen europäischen Jazz. Schon seine Lage macht es zum natürlichen Ort der Begegnung für die Heldinnen und Helden unserer Musik und unseres Festivals Jazzdor. Sie kommen dieses Mal aus Frankreich, Deutschland, der Schweiz, Dänemark, Portugal, den Niederlanden, den USA, Norwegen, Italien, Slowenien, Serbien Schweden, Großbritannien und Japan.“

Gleich der Eröffnungsabend am 10. November ist der Idee und dem Spirit von Jazzdor geschuldet. Wer könnte beides nicht besser verkörpern als der amerikanische Gitarrist Ralph Towner, der Zeit seiner langjährige Karriere hauptsächlich damit verbracht, nach neuem, bislang unentdecktem Terrain in der improvisierten Musik zu suchen, auf dem er ungestört forschen und experimentieren kann, gleichgültig, ob solo auf der akustischen Konzertgitarre oder, wie in Straßburg im Dialog etwa mit dem italienischen Trompeter Paolo Fresu, der diesen Abend mit seinem Devil Quartet und einem lyrischen wie expressiven Modern Jazz beschließt. Weitere Highlights im Jazzdor-Programm sind zum Beispiel das Klavier-Solokonzert mit Eve Risser (gleichsam ein Heimspiel für die gebürtige Elässerin), das Doppelkonzert mit dem Joachim Kühn New Trio und dem Daniel Humair New Quartet, die Begegnung der jungen norwegischen Saxofonistin Mette Rasmussen mit dem amerikanischen Drummer Chris Corsano und dem Quartett Riverside mit Dave Douglas (Trompete), Steve Swallow (Bass) und den Doxas-Brüdern Chet (Saxofon und Klarinette) und Jim (Schlagzeug), die am Jazzdor-Schlussabend nicht nur das umfangreiche kompositorische Werk der mittlerweile 81-jährigen Carla Bley neu deuten, sondern die durch dieses Quartett Geehrte gleich auch mit auf die Bühne bitten. Das komplette Programm von Jazzdor gibt es auf der Festival-Site im Internent.

Weiterführende Links
Jazzdor

Text
Christian Broecking, Stefan Franzen & Martin Laurentius

Foto
Paolo Soriani

Veröffentlicht am unter News
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