Michel Portal spielt am 5.3. in Gütersloh.Michel PortalSeine stilistische Offenheit und musikalische Vielseitigkeit hat sich Michel Portal bis ins Alter bewahrt. Der französische Klarinettist, Saxofonist, Bandoneonspieler und Komponist, der am 27. November 2015 seinen 80. Geburtstag feierte, ist in der klassischen sinfonischen Musik ebenso zu Hause wie in den Klangexperimenten der Neuen Musik, den verschiedenen Improvisationskonzepten eines Jazz amerikanischer und europäischer Prägung und den singbaren Melodien der Folklore seiner baskischen Heimatstadt Bayonne. „Je mehr Musik man hört, umso reicher wird man, was den Sprachschatz angeht. Aber nur weil ich Brahms spiele, bedeutet das nicht, dass ich Charlie Parker vergesse. Auch wenn ich es nicht im geringsten mische, behalte ich die Sprachvielfalt“, erklärte Portal unserem Autor Götz Bühler, als dieser ihn im vergangenen Dezember in Paris für die Artikelreihe „European Jazz Legends“ interviewt hatte. „Man kann es Eklektizismus nenn. Ich nenne es Neugier.“

Seit seinem sechsten Lebensjahr spielt Portal Klarinette. Schon als Jugendlicher begeisterte er sich für Jazz und schloss 1958 sein klassisches Klarinettenstudium am renommierten Pariser Konservatorium mit Auszeichnung ab. Seitdem hat er sich nicht nur einen Namen als Interpret von Kompositionen von Luciano Berio, Pierre Boulez oder Karlheinz Stockhausen gemacht, sondern war auch im Fokus des Free-Jazz-Bildersturms in Europa, den er entscheidend geprägt hat. Portal arbeitete mit so unterschiedlichen Musikern wie Anthony Braxton, Barre Phillips, Daniel Humair und Bernard Lubat und war Mitgründer des renommierten Improvisationsquartetts New Phonic Art. Zudem hat er bis heute mehr als 150 Musiken für Film und Fernsehen komponiert. Vor allem in seinen Jazzprojekten führte er seine breite Palette stilistischer Vorlieben zusammen.

„Ich liebe das Publikum“, so Portal. „Es ist wie eine Metamorphose. Wenn ich zwei Wochen nicht auf der Bühne war, fühle ich mich schlecht. Wenn ich gerade gespielt habe, ist es, als hätte ich Tonnen Aspirin genommen.“ Deshalb lag es nahe, dass der Klarinettist am 5. März in der Konzertreihe „European Jazz Legends“ von WDR 3, Jazz in Gütersloh und Jazz thing im Theater Gütersloh auftreten wird – erst im Duo mit dem amerikanischen Pianisten Richie Beirach, dann zusammen mit der WDR Big Band. Zwischendrin wird er auch von Bühler auf der Bühne öffentlich interviewt. Wem Gütersloh zu weit weg ist, der hat am 5. März ab 20.05 Uhr auch die Möglichkeit, dieses Konzert live bei WDR 3 oder als Stream auf wdr3.de zu hören. Die Mitschnitte der beiden vorangegangenen „European Jazz Legends“-Konzerte mit dem Schlippenbach Quartett und dem Henri Texier Quartet werden übrigens am 6. April auf WDR 3 gesendet. Und schließlich werden alle Konzerte dieser Reihe von der Plattenfirma Intuition Records auf CD veröffentlicht.

Weiterführende Links
Jazz in Gütersloh

Text
Christian Broecking, Stefan Franzen & Martin Laurentius

Foto
Lutz Voigtländer

Veröffentlicht am unter News
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