Zum Tode von Keith CopelandEr war eher ein ruhiger Vertreter des Jazz. Sein Markenzeichen waren keine langen und lauten Schlagzeugsoli, mit denen er seine Muskeln spielen ließ. Keith Copeland konzentrierte sich vielmehr auf die wesentliche Rolle eines Jazzschlagzeugers: die des Timekeepers. Mit akzentuiert nuanciertem Swing ließ der 1946 in New York als Sohn des Trompeters Ray Copeland geborene Drummer jeden Musiker gut klingen, mit dem er in seiner langjährigen Laufbahn zusammengearbeitet hat – gleichgültig, ob er als Sideman für Paul Bley, George Russell, Hank Jones oder Johnny Griffin oder – viel zu selten – mit Bands unter eigenem Namen zu hören war. Und selbst dann, als er in den Anfangsjahren seiner Karriere sein Geld in Formationen von Pop-Acts verdiente, ließ er einen ähnlichen Spielwitz aufblitzen wie im Jazz: Obwohl die Musik etwa eines Stevie Wonder anders funktionierte als die der Jazz-Moderne, so ließ Copeland auch in dieser Umgebung weder seine Antizipation noch seine Subtilität in Sachen Timing vermissen.

Seine formale Ausbildung holte sich der Schlagzeuger am Berklee College Of Music in Boston, der internationalen Jazzkaderschmiede schlechthin. Doch weit mehr geprägt wurde er durch seine Jugendjahre im Harlemer Minton’s Playhouse, wo er sich in der „mythischen“ Traditionslinie des afroamerikanischen Jazz verortete. Als amerikanischer GI kam er in den 1960ern zum ersten Mal nach Deutschland, von seiner Kaserne in Ramstein fuhr er in dieser Zeit oft nach Frankfurt, um im legendären Jazzkeller zu spielen. Später kehrte Copeland nach Deutschland zurück, um ab 1992 als Professor für Schlagzeug an der renommierten Jazzabteilung der Hochschule für Musik und Tanz in Köln und ab 1999 auch an der Musikhochschule in Mannheim den hiesigen Nachwuchs auf Spur zu bringen. Seinen Lebensmittelpunkt hatte er aber in Frankfurt, der Stadt, die ungefähr in der Mitte zwischen Köln und Mannheim liegt. In der Mainmetropole ist Keith Lamont Copeland am 13. Februar nach langer Krankheit gestorben, gerade einmal 69 Jahre alt.

Weiterführende Links:
Keith Copeland

Text
Christian Broecking, Stefan Franzen & Martin Laurentius

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