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Uwe Wiedenstried

Lewis Porter, Chef-Ballistiker am Institute of Jazz Studies, hätte den Nobelpreis verdient. Professor Porter analysierte Musik mit Hilfe der Infinitesimalrechnung. Er fütterte seinen Computer mit Transkriptionen aller Soli Lester Youngs. Da mag der Fachkollege die Braue lüpfen, der Laie stutzen, entscheidend ist, was hinten herauskommt: Youngs Melodien schlängeln sich mal auf, dann ab, mal ab, dann auf. Differenziert nach Stei- und Neigungswinkeln ergeben sich vier Grundkurven („contour types“).

Eine Kurvendiskussion blieb aus. Die Zweifler schwiegen, erschüttert, bekehrt. Porter war in dunkelste Tiefen, zum Allerwertesten der Musik vorgedrungen. Ihr Eigentliches, ihr Wesen war entdeckt. – Höhepunkt wie Ende der Jazzforschung.

Sie haben ganze Arbeit geleistet, die Experten aller Fakultäten, jedes Lehrstuhls. In großen Haufen haben sie uns Aufsätze und Schwarten hinterlassen. Wir wissen alles. Das Phänomen Jazz ist in toto erforscht.
Irrtum! Jazz und Mode, zu diesem Thema gibt es noch keine Abhandlung. Gehen Musiker mit der Mode? Gehen sie ihr voran? Lässt ihre Kleidung Schlüsse zu auf ihre Musik, ihr Denken, ihre Haltung?

Ellington in „white tie and tails“– bildhafter Ausdruck seines Ehrgeizes zur Upper-Class zu gehören oder einfach nur Dress Code der Roaring Twenties? Sonnenbrille, Kinnbärtchen, Baskenmütze – fertig ist der Bop-Revoluzzer. Warum aber trugen Dizzy & Co. die gleichen Anzüge wie die Swing-Opas? Eine Revolution in Nadelstreifen kann so radikal nicht gewesen sein, oder? Warum trägt Wynton Marsalis die Beerdigungsanzüge der Reverends vom MJQ auf? Möchte James Carter, in große Schachbrettkaros gewandet, ein Zeichen setzen gegen eben jene kleinkarierte Ewiggestrigkeit, für die Marsalis in Zwirn und mit jedem Ton steht?

Wir werden es nie erfahren. Das Bügeleisen ist einfach zu heiß. Kein Forscher traut sich da ran.
Satchmo traute sich. Hüllenlos ließ er sich von Jack Bradley ablichten. Keine Bange, nur von hinten, diese Kolumne bleibt sauber. Ein Foto, das die nackte Wahrheit zeigt, jenen Körperteil, an dem uns dieses, wie so manches Thema der Jazzforschung vorbeigehen sollte. – Am … ach, das steht ja schon in der Überschrift.

Uwe Wiedenstried

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3 Kommentare zu „Am Allerwertesten“

  1. Wissenschaft, Rechner und Musik. Das passt nicht oder doch? Überraschend ist für mich jedenfalls die Ergebnise die Band in a box beispielsweise bringt. Letztendlich ist es ein wissensbasiertes System.

  2. @ E-Jazzer: Ich muss ehrlich gesagt auch zugeben, dass Wissenschaft, Rechner und Musik nicht wirklich zusammenpassen.

    Ich hoffe jedenfalls, dass Jazzer nicht gezielt mit der Mode gehen. Der Jazz war doch schon immer ein zeitlos schöner Teil der Musikgeschichte, so sollte es auch bleiben.

  3. Natürlich gingen Jazzer immer mit der Mode oder brachten sie gar hervor. „Zeitlose“ Musik hat es ebensowenig gegeben wir zeitlose Mode und das negieren von Mode ist meist schon wieder selbst eine…Mich würden Wechselbeziehungen hier durchaus interessieren.

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