239/21: Jazz thing Mixtape auf ByteFM & onejazz

MIchael Wollny 'eine winterreise'Michael Wollny „eine winterreise“„Ein Orangenbaum bringt keine Mangos hervor, ein Zitronenbaum keine Äpfel“, lernen wir von einem senegalesischen Sprichwort mit dem Orchestra Baobab. Und während im Norden der Weltkugel die Blätter auch von den Lindenbäumen fallen und langsam die Winterreise beginnt, sorgt dieses neue Mixtape passend zur 166. Ausgabe unseres Jazz-thing-Magazins für oft unerwartet Abwechslungsreiches. Für den gelösten Einstieg sorgen die Snarky Puppy-Gründer Michael League und Bill Laurance mit „Never Miss A Thing“, einem Duo-Groove von „Close To Home“, ihrem neuen Album für ACT. Die brasilianische Singer/Songwriterin Joyce Moreno, neulich erst mit dem schweizerischen Gitarristen Louis Matute auf dessen Album „Dolce Vita“ zu hören und auch live unterwegs, hat ein Album veröffentlicht auf dem sich auch ein frisches Arrangement ihres 1980er-Hits „Aldeia De Ogum“ findet, ein Dancefloor-Jazz-Hit, der eigentlich einem kleinen Häuschen am Meer gewidmet ist.

Ihr Landsmann Ed Motta, genau wie Joyce aktuell auf einer Euphorie-Welle anlässlich von Presidente Lulas erneutem Wahlsieg schwimmend, gibt sich auf „A Marina Acende“ vom neuen Album „Toc Toc“ ebenfalls maritim. Bass-Bolide Christian McBride „goes back, back in time“ zu George Dukes 1992er-Album „Snapshot“ und covert mit seiner Band Ursa Major den Quiet-Storm-Song „No Rhyme, No Reason“. Lisa Bassenge, ebenso wie alle vorgenannten mit einem ausgiebigen Porträt im neuen Heft zu finden, glänzt mit ihrer Interpretation eines Hits von The Cure. Der britische Drummer Moses Boyd, aufgewachsen in einem kirchlichen Umfeld, betont aber, „kein Prediger“ zu sein, versteht seine „Songs For Sinners“ trotzdem als ausgesprochen interpretationsoffen, etwa „Criticise“.

„Made In Senegal“ heißt das neue Album des Orchestra Baobab, des sicherlich dienstältesten Ensembles in Dakar, das es sich und uns zum 50-jährigen Bestehen schenkt. Sanft in die Falle gegangen ist Henry Threadgill mit seinem Trio-Album „Fifteen“, eingespielt mit Dafnis Prieto und Vijay Iyer. Die aktuelle „Jazz thing Next Generation“-Protagonistin Vroni Frisch präsentiert uns außerdem angenehm ephemere Gefühlswelten, Enrico Rava ist mit einem Stück seines neuen ECM-Albums „Corners“ vertreten und Franco Ambrosetti mit einem der Gesangsstücke (mit Janis Siegel!) seines neuen Albums „Voices“. Last but not least und irgendwo dazwischen begibt sich Titelheld Michael Wollny auf oben angedeutete Winterreise, Ausgangspunkt: Am Brunnen vor dem Tore a.k.a.: „Ein Lindenbaum“. Auf Deutsch ist dieses Mixtape am 31. Oktober ab 14 Uhr im auf ByteFM zu hören, und auf Englisch dann am 16. November ab 13 Uhr auf onejazz – beide Male mit Götz Bühler am Mikrofon.


Playlist #239/20
für das Jazz thing Mixtape vom Samstag, 31.10.2026, 14 Uhr auf ByteFM, und vom Montag, 16.11.2026, 13 Uhr auf onejazz.

Michael League & Bill Laurance Never Miss A Thing Close To Home (ACT/edel)
Joyce Moreno Aldeia de Ogum Never Too Soon (Far Out/Indigo)
Ed Motta A Marina Acende Toc Toc (MPS/edel)
Christian McBride & Ursa Major No Rhyme, No Reason Points Of Light (MackAvenue/Bertus)
Orchestra Baobab Togne Bakhoul Made In Senegal (Strut/Indigo)
Moses Boyd Criticise Songs For Sinners (Partisan/Virgin)
Henry Threadgill Gently Trapped Fifteen (Nonesuch/Warner)
Lisa Bassenge Catch Two Whole Summers – Half A Life (Herzog Records/)
Michael Wollny Ein Lindenbaum eine winterreise (ACT/edel)
Vroni Frisch Sometimes Crappy Sometimes Happy Ephemer (Double Moon/Bertus)
Enrico Rava Le Mie Gambe Corners (ECM/Universal)
Franco Ambrosetti Five Notes Voices (enja/edel)

Weiterführende Links
ByteFM
onejazz.net

Text
Götz Bühler

Veröffentlicht am unter Mixtape

Ingolstädter Jazztage