Leipzig: Jazztage@50

Conny BauerConny BauerDie 50. Leipziger Jazztage im 50. Jahr: Dass eine Ausgabe dieses traditionsreichen Festivals im Osten Deutschlands ausfallen musste, hatte nichts mit der Corona-Pandemie zu tun, sondern mit dem Wendejahr 1990, als viele Kulturveranstaltungen in Ostdeutschland im Zuge der Wiedervereinigung zur Disposition standen. Nicht wenige dieser Institutionen mussten das Handtuch werfen, weil öffentliche Gelder vor allem für Infrastrukturmaßnahmen in der zu Ende gehenden DDR ausgegeben wurden, weshalb 1990 die Leipziger Jazztage nicht stattfanden. Die Verantwortlichen der Jazztage nutzten die Pause indes und passten das Festivalkonzept den neuen, auch politischen Gegebenheiten an. 1991 ist man inhaltlich gehäutet wieder an den Start gegangen, seitdem gibt es ununterbrochen die Leipziger Jazztage.

Statt diesen 50. Geburtstag groß zu feiern, hält man sich in Leipzig vom 17. bis 25. Oktober eher zurück. Hier und da blitzen Reflexionsmomente bezüglich des rituellen Charakters eines Festivaljubiläums auf – wenn Alexander von Schlippenbach mit dem Globe Unity Orchestra dieses Jahr in Leipzig auftritt, oder der Posaunist Conny Bauer als Vertreter des einstigen DDR-Jazz ein Konzert mit dem Gitarristen Kalle Kalima und dem Drummer Hamid Drake spielt. Ansonsten verweist man auf die Stärken, die sich aus der Historie heraus ergeben: auf die Verbindung nach Polen zum Beispiel, die in einem der „First Dates“ deutlich wird, wenn das polnische Trio AJAKS auf Leipziger Musiker:innen trifft. Oder die US-amerikanischen Musiker:innen, die seit jeher integrale Bestandteile im Programm sind; 2026 etwa mit einem Duke-Ellington-Tribute von Jason Moran.

Dann gibt es Konzerte, die einfach große Jazzkunst versprechen – wie zum Beispiel mit Norma Winstone und Kit Downes, Charlie Hunter und Ella Feingold, Joel Ross Good Vibes oder dem Bill Frisell Trio. Zudem feiert man innerhalb des eigenen 50. Jubiläums auch noch den 30. Geburtstag des Leipziger Jazznachwuchspreises. Der oder die Gewinner:in steht noch nicht fest. Zusätzlich zur Preisverleihung und dem Preisträger:innenkonzert tritt am 24. Oktober in der UT Connewitz ein Quartett mit ehemaligen Gewinner:innen unter der Leitung des Leipziger Bassisten Robert Lucaciu auf. Ein bisschen Geschichtsunterricht bekommt man dann doch noch geboten: mit einem Audio-Walk, der an verschiedenen historischen Konzertorten in der Stadt Station macht und O-Töne und Originalaufnahmen bereithält.

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Leipziger Jazztage

Text
Martin Laurentius
Foto
Lena Panzer-Selz

Veröffentlicht am unter News