„People In Sorrow“ von 1969 gilt als eines der bedeutendsten Alben des Art Ensemble Of Chicago, war aber seit Jahrzehnten nicht mehr verfügbar. Eingespielt im Quartett mit Lester Bowie, Roscoe Mitchell, Joseph Jarman und Malachi Favors, bringt das Album die für Ende der 1960er-Jahre typische Phalanx von kreativer Jazzszene und Civil Rights Movement in den USA zum Ausdruck. Jeder Moment in den zwei langen Improvisationen ist voller Nachdruck und Inbrunst. Trauer über die Folgen der Versklavung und anhaltende Diskriminierung bilden ein Gleichgewicht mit der Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Das Ganze spielt sich im Dreieck von Elegie, Kampfgeist und eskapistischem Traum ab. Mehr als auf irgendeinem anderen Album des Kollektivs kommt dabei die Wucht von Favors‘ gravitätischem Bass zum Tragen, auf der sich die drei anderen Instrumentalisten frei treiben lassen können. In die Percussion teilen sich die drei Bläser hinein. Dass dieses Album seinerzeit bei EMI veröffentlicht wurde, verdeutlicht einmal mehr, wie viel Augenmerk Major-Companies in früheren Zeiten unabhängig von kommerziellem Kalkül auf die Förderung von avantgardistischem und provokantem Jazz gelegt haben. Gottlob ist das Album wieder da.
Text
Wolf Kampmann
Ausgabe
, Jazz thing 164
Veröffentlicht am 06. Jul 2026 um 07:59 Uhr unter Reviews