Witten: Tage für neue Kammermusik

Chaya CzernowinChaya CzernowinWir können uns eine bessere, vielleicht schönere Zukunft erträumen, wir können aber auch sehnsuchtsvoll auf die Vergangenheit zurückblicken und verpassten Möglichkeiten nachtrauern. Doch all das passiert im Hier und Jetzt, der Gegenwart, die für uns unveränderlich bleibt. „Was die ,Wittener Tage‘ so spannend macht?“, fragt der Redakteur für Neue Musik bei WDR 3, Anselm Cybinski, im Vorwort zum Programmflyer der traditionsreichen Wittener Tage für neue Kammermusik, die 2026 vom 24. bis 26. April in dieser Stadt im Südosten des Ruhrgebiets stattfinden: „Seit fast 60 Jahren ist es das nie zuvor Gehörte, das oft nicht einmal Geahnte, das die Neugierde weckt: der kompromisslos eigenständige Zugang hoch kreativer musikalischer Geister zur dichten klingenden Interaktion.“ Auch daraus leitet Cybinski das Motto seiner ersten, von ihm kuratierten Wittener Tage ab: „Gegenwart. Unentrinnbar“.

An diesen drei Tagen wird es insgesamt 14 Ur- und sieben deutsche Erstaufführungen von Komponist/-innen aus mehr als 20 Ländern geben. Sie werden auch Bezug nehmen auf die verschiedenen Beben des politischen und gesellschaftlichen Jetzt, denen wir seit geraumer Zeit ausgesetzt sind, deren Tragweite wir aber allenfalls erahnen können. Und natürlich passt dieses Motto auch zur Improvisationsmusik im 21. Jahrhundert, die, so heißt es ja, aus dem Moment heraus im Moment entsteht. Auch wenn allenfalls der New Yorker Trompeter Peter Evans, der am Eröffnungsabend ein Neues Werk mit der Akkordeonistin Anne-Maria Hölscher, dem Pianisten Florian Hölscher plus dem Ensemble Schwerpunkt und dem SWR Experimentalstudio aufführen wird, über Expertise in Sachen Improvisation und Jazz verfügt, so lassen sich auch anderswo im Programm der diesjährigen Wittener Tage für neue Kammermusik Aspekte entdecken, die gleichfalls für Aufmerksamkeit und Spannung sorgen.

Wie zum Beispiel im Schaffen der diesjährigen Porträtkomponistin Chaya Czernowin, „eine der sensibelsten musikalischen Chronistinnen unserer Zeit“, wie Cybinski hervorhebt: „Nicht nur mit einem beachtlichen Querschnitt jüngerer Werke ist Czernowin in Witten vertreten, sondern auch mit einem aufregenden neuen Musiktheater – einem ,synästhetischen Ereignis‘, bei dem die Komponistin selbst Regie führt.“ Dann unter anderem noch im Programm: Isabel Mundry mit „The I’s“ und Enno Poppe mit „Faden“, Johannes Maria Staud mit „Jagende Wolken, blendendes Blau!“, Ramon Lazkano mit „Uher“, Golfam Khayam mit „Seven Valleys Of Love“ oder Daj Fujikura mit „Ritual“. Vielversprechend liest sich auch die an den drei Tagen stattfindende Reihe „Hohe Stimme, tiefe Saiten“ mit Begüm Aslan, Gesang und Kontrabass.

„Der WDR ist seit 75 Jahren international einer der wichtigsten Inkubatoren und Taktgeber für die Neue Musik“, betont WDR-3-Programmchef Matthias Kremin. „Die Zusammenarbeit zwischen WDR und Stadt Witten gibt auch Akteur/-innen aus Nordrhein-Westfalen ein Forum und strahlt weit ins Bundesland und darüber hinaus. Das macht die Wittener Tage für neue Kammermusik zu einer besonders vitalen Institution.“ Die Tage in Witten bildet das Kulturradio des Westdeutschen Rundfunks auch in seiner Konzertstrecke live und in Mitschnitten ab: am 24. und 26. April ab 20:04 Uhr, am 25. April ab 18:04 Uhr.

Weiterführende Links
Wittener Tage für neue Kammermusik

Text
Martin Laurentius
Foto
Astrid Ackermann

Veröffentlicht am unter News

Nils Wülker – Zuversicht