In Memoriam: Johannes Bauer

Johannes BauerJohannes BauerJohannes Bauer (1954–2016) stand als Posaunist und Komponist stets für künstlerische Offenheit und war zeitlebens ein Vermittler zwischen den Szenen und Genres – auch nach dem Fall der Mauer 1989 und der Wiedervereinigung im Jahr darauf. 2005 gründete sich das Quartett Bauer 4 als Family-Band. Mit dabei waren die drei Bauer-Brüder Matthias (Bass), Johannes und Konrad „Conny“ (beide Posaune) plus Connys Sohn Louis Rastig (Piano). Das entstandene Studioalbum haben die vier Bauer-Familienmitglieder schlicht mit „Familiy Affairs“ überschrieben. Darauf zu hören ist eine teils  frei improvisierte Musik, die antizipierend aus dem Moment heraus entstanden ist – mit Referenzen vor allem in die Vitae der beiden Posaune spielenden Brüder, die den DDR-Jazz der 1970er- und ’80er-Jahre maßgeblich prägten. Es war nicht das erste Mal, dass die zwei Brüder zusammen in einer Formation zu hören waren. Doppelmoppel hieß eine andere Band, die noch zu DDR-Zeiten 1981 gegründet wurde. Den Namen gab man sich deshalb, weil das Quartett jeweils doppelt mit zwei Posaunisten (Conny und Johannes) und zwei Gitarristen (Uwe Kropinski und Helmut „Joe“ Sachse) besetzt war.

Am 6. Mai jährt sich der zehnte Todestag von Johannes Bauer. Mit einem Konzertabend am 11. April will Rastig in Kooperation mit dem Beriner Jazzkeller69 an das künstlerische Schaffen seines Onkels erinnern. „Der Legende nach verfolgte der 1954 geborene Ausnahmeposaunist Johannes Bauer zeitlebens ein spezielles Hobby – die genaue Bestimmung imposanter Vogelrufe“, heißt es in der Ankündigung. „Deren Call & Response faszinierten und inspirierten ihn für die freie Improvisation und Interaktionen auf der Bühne.“ Deshalb hat Rastig seine Würdigung mit „Trombones & Bird Calls. In Spirit of Johannes Lauer“ überschrieben und dafür ein eng getaktetes Programm zusammengestellt.

Den Anfang macht der Posaunist Matthias Müller mit dem Bauer-Solostück „Brass, Breath, Brisk“, gefolgt vom Quartett hilde aus Nordrhein-Westfalen, bei dem Johannes’ Tochter Marie Daniels als Sängerin dabei ist. Weiter geht es mit Conny Bauer im Duo mit dem Gitarristen Kalle Kalima, bevor das Trio Bird Calls mit Müller, der in Berlin lebenden, französischen Elektronikerin Laure Boer und dem norwegischen Schlagzeuger Paal Nilssen-Love einen Schlusspunkt hinter den Abend setzt. Spielort ist das Kulturhaus Peter Edel in Berlin-Weißensee, das einst mit der Reihe „Jazz im Edel“ relevanter Treffpunkt der Ost-Berliner Improv-Szene war.

Weiterführende Links
Jazzkeller69
Kulturhaus Peter Edel

Text
Martin Laurentius
Foto
Uli Templin

Veröffentlicht am unter News

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