Stuttgart: JazzOpen & German Jazz Trophy

Stanley ClarkeStanley ClarkeDas Festival JazzOpen Stuttgart eröffnet am 1. Juli traditionell mit der Verleihung der German Jazz Trophy. Der mit 15.000 Euro dotierte Preis wird seit 2001 von der Stiftung Kunst und Kultur der Sparda-Bank Baden-Württemberg an Jazzmusiker/-innen für ihr herausragendes Lebenswerk vergeben. Erster Preisträger war der Stuttgarter Bandleader Erwin Lehn, zuletzt wurde 2025 die US-amerikanische Sängerin Dianne Reeves geehrt. In diesem Jahr geht die Trophäe an Stanley Clarke. Der 1951 in Philadelphia, Pennsylvania, geborene Bassist wurde als Gründungsmitglied von Chick Coreas Jazz-Rock-Band Return To Forever weltbekannt und wird seitdem vor allem für seine Pionierleistungen am E-Bass verehrt. In seinem virtuosen Spiel gingen das auf Larry Graham zurückgehende Slapping & Popping, Flamenco-Techniken, melodiöses Spiel und perkussiv-funky Fingerarbeit fließend ineinander über und beeinflussen folgende Generationen bis heute.

Auch am Kontrabass erwies sich Clarkes Spiel als technisch wie musikalisch brillant. Zu seinen wiederkehrenden Partnern gehörten der Keyboarder und Sänger George Duke und der Violinist Jean-Luc Ponty, der die German Jazz Trophy übrigens 2007 gewann und mit dem er das Fusion-Projekt Trio! (mit Béla Fleck) gründete. Zudem produzierte Clarke diverse Solo-Alben und zahlreiche Filmsoundtracks, darunter (gemeinsam mit Roger Troutman) „Boyz N The Hood“ (1991) von John Singleton und „Panther“ (1995) von Mario van Peebles. Das Preisträgerkonzert findet im Anschluss an die Preisverleihung im SpardaWelt Eventcenter statt.

Aus dem weiteren JazzOpen-Programm ragen wie jedes Jahr zwei Extreme heraus: einerseits Pop-Acts wie Katy Perry, Moby oder Lenny Kravitz, die sich nur mit einiger intellektueller Akrobatik in den Jazz-Kontext einordnen lassen. Andererseits gibt eine ganze Reihe von erprobten Jazzfestival-Headlinern diesem Kontext glaubwürdig Gewicht. Dazu gehören in diesem Jahr Pianistin Diana Krall, Saxofonist Joshua Redman, Pianistin Eliane Elias und Curtis Stigers mit der SWR Big Band. Irgendwo zwischen diesen Welten: die goldenen Kehlen Jamie Cullum und Joss Stone, der israelische Singer/Songwriter Asaf Avidan, der marschierende Männermusikverein Meute und die dunklen Rock-Eminenzen Nick Cave & The Bad Seeds. Oder auch Gitarrist Lee Ritenour, der mit dem Stuttgarter Kammerorchester die Musik von David Bowie interpretiert.

Hauptsache hochkarätig, scheint die Devise zu sein, aber dazwischen ist immer noch Platz für frische Namen und junge Talente wie das siebenköpfige Osloer Soul-Jazz-Ensemble Sũn Byrd, den Bluesmusiker D.K. Harrell, Brit-Soulerin Mica Millar oder auch das Jugendjazzorchester Baden-Württemberg. Die interessantesten Konzerte finden im BIX Jazzclub statt, die großen Spektakel auf dem Schlossplatz. Zusätzlich gibt es auch wieder verschiedene Bühnen mit kostenlosen Konzerten, darunter immerhin Auftritte von Sängerin und Gitarristin Rasha Nahas, dem Lisa Wilhelm Quartett feat. Mareike Riegert, dem Axel Kühn Trio und der Sängerin King Josephine. Mit dem menorquinischen Tastenzauberer Marco Mezquida wird zudem ein weiterer Preisträger geehrt: Er bekommt am 5. Juli im Fruchtkasten den Wolfgang-Dauner-Award verliehen.

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JazzOpen Stuttgart

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Eric Mandel
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Nils Wülker – Zuversicht