Wie viele Geschichten kann man auf einem sechssaitigen Elektrobass erzählen? Genug, dass es für 38 Minuten reicht, findet der schwedische Bassist Björn Meyer. Er macht zu keinem Zeitpunkt einen Hehl daraus, dass er einen Bass spielt. Doch sein Spiel ist von einer melodischen Intensität, dass man das dann doch zuweilen vergisst. Meyers introspektive Linien erinnern zuweilen an die melodischen Einlassungen eines Pat Metheny. Im Kontrast dazu lotet er in anderen Songs einfach nur die Tiefen des Ozeans aus, und sein Hell-Dunkel-Spiel auf den sechs Saiten konvergiert gegen eine pinkfloydeske Echolot-Versunkenheit. In wieder anderen Stücken nähert sich der ehemalige Mitstreiter von Nik Bärtsch’s Ronin der Minimal Music an. Die philosophischen, naturwissenschaftlichen und politischen Erklärungsansätze von Konvergenz sind grenzenlos. Meyer fügt all diesen Definitionen und Dimensionen eine musikalische Komponente hinzu. Verschiedene Denkmodelle laufen stringent aufeinander zu und ergeben in ihrer Gesamtheit eine stimmige Einheit, die man aber erst wahrnimmt, wenn man das Ganze im Blick hat.
Text
Wolf Kampmann
Ausgabe
, Jazz thing 162
Veröffentlicht am 19. Mrz 2026 um 07:57 Uhr unter Reviews