Snarky Puppy

Culcha Vulcha

(GroundUP!/Universal)

PRO
Snarky Puppy – Culcha Vulcha (Cover)Das Phänomen Snarky Puppy hat Europa noch nicht ganz erreicht. Das könnte sich mit „Culcha Vulcha“ allerdings ändern. Denn das erste Studio-Album des Musikerkollektivs aus Texas um den Bassisten Michael League klittert unverkrampft die Stilstile von Funk bis Samba und Electronics bis Urban-Jazz. Dabei geht es weniger um die Kreation von etwas wirklich Neuem, sondern eher um eine pointierte Verbindung aus bekannten Versatzstücken des Klangbaukastens. Kompositionen wie „Semente“ wirken zeitgenössischer brasilianisch als manches aus Rio und Post-Fusion-Kracher wie „Gø“ verschmelzen mal eben die Direktheit der funky 1970er mit der Coolness der Retro-‘90er und der Sound-Offenheit der Gegenwart. Das ganze Album atmet die Luft der Lässigkeit, des lustvollen Auskostens der Möglichkeiten, die moderne improvisierende Musik ohne Avantgarde-Auflagen bietet.
Ralf Dombrowski

KONTRA
Fusion: Das war einmal eine Musik, die dem Jazz eine Frischzellenkur verordnen oder dem Rock intellektuellere Note verpassen sollte. Klappte beides nicht. Fusion erschöpfte sich darin, verzwickte Konstrukte im Schweinsgalopp abzuwickeln, um sich möglichst schnell in ausschweifende solistische Alleingänge zu stürzen. Dass diese musikalische Selbstinszenierung mit Snarky Puppy eine Renaissance erlebt, ist ernüchternd. Das erste „richtige“ Bandalbum befeuert den Hype um das Ensemble der Alleskönner zusätzlich. War das „Family Affair“-Konzept, bei dem die Jungs live mit illustren Gästen auftraten, wegen seiner Vielfalt noch ganz witzig, so erschöpft sich „Culcha Vulcha“ in einer Aneinanderreihung von Kunststücken, Verzierungen, Schleifchen und Muskelspielen. In jedem Stück mangelt es am Mannschaftsgeist, an einem gemeinsamen Ziel, an einem unwiderstehlichen Groove.
Reinhard Köchl

Text
Ralf Dombrowski, Reinhard Köchl
, Jazz thing 114

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