Brandee Younger

Brand New Life

(Impulse!/Universal)

Brandee Younger – Brand New Life (Cover)Einer der Gründe, warum es nur sehr wenige, glaubwürdige Jazzharfenist/-innen gibt, ist die Tatsache, dass die Harfe kein Instrument ist, das sich leicht dem freien Spiel und schnellen Improvisationen hingibt. Einer Musikerin, der das gelang, war Dorothy Ashby. Damit hatte sie einen einzigartig starken und innovativen Einfluss. Darüber hinaus engagierte sie sich sozial, war insbesondere im Kampf gegen den Rassismus aktiv. Bis heute bestätigen unzählige Beispiele aktueller Musiker/-innen, die ihr Werk covern und sampeln, die überragende und dauerhafte Bedeutung von Ashbys Musik. Mit der setzt sich nun auch die junge Harfenistin Brandee Younger auf „Brand New Life“ auseinander. Hier interpretiert sie nicht weniger als fünf Stücke von Ashby, darunter das grandiose „Dust“ von Ashbys Cadet-Album „The Rubaiyat“. Nun liefert Meshell Ndegeocello die Vocals. Natürlich ist diese Hommage kein Spiegelbild der Originale, vielmehr bringt Younger frisches Leben in Ashbys Werk, integriert nahtlos zeitgenössische Genres und fügt neue Erkundungen von Harmonie, Rhythmus und Melodie ein. Und so ist Younger die Erste, die glaubwürdig aktuellen Jazz auf der Harfe spielt und zeigt, wie wunderbar dieses sperrige Instrument swingen kann.
Olaf Maikopf, Jazz thing 148

Irgendwie schwebt Alica Coltrane, die Urmutter aller Jazzharfenistinnen, über jedem Ton, den Brandee Younger anschlägt. Doch manchmal liegen solch plakative Vergleiche einfach daneben. „Brand New Life“, das Younger auf ihr vielbeachtetes 2021er-Debüt „Somewhere Different“ folgen lässt, huldigt mit Dorothy Ashby einer anderen, weit weniger bekannten Heldin des himmelsgleichen Instruments. Keiner gelang es nämlich derart prägnant, den spezifischen Klang der Harfe schlüssiger in den Jazz und den Bebop zu überführen wie Ashby, die sogar mit gitarrenartigen, elektrisch verstärkten Sounds experimentierte. Ihre designierte Erbin greift nun mithilfe von Gästen wie Mumu Fresh, Interlude, Pete Rock, Meshell Ndegeocello und 9th Wonder Kompositionen ihres Idols auf und hievt diese schlau und mutig in die Gegenwart. Einige Songs aus der Zeit des Kampfes um Rassengerechtigkeit haben bis heute nichts von ihrer Brisanz verloren. Weit wertvoller ist jedoch Youngers Quantensprung zwischen tanzbaren, fein groovenden Rhythmen und einer relevanten politischen Message. Der Grundstein für eine neue schwarze Musik?
Reinhard Köchl, Jazz thing 149

Text
Olaf Maikopf, Reinhard Köchl
, Jazz thing 148

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