ELBJAZZ 2018

Bobby Womack

The Bravest Man In The Universe

(XL/Indigo)

Bobby WomackBobby Womack, 'The Bravest Man In The Universe 'Der Retrotrend hat dazu geführt, dass unter "Soul" heute vor allem rumpelnde und scheppernde, mit Vintage-Instrumentarium "handgemachte" Musik (miss)verstanden wird. Bobby Womack verweigert sich auf seinem neuen Album, seinem ersten mit Originalkompositionen seit "Resurrection" 1994, dieser Authentizitätslüge – zum Glück. Produziert wurde "The Bravest Man In The Universe" von XL-Labelchef Richard Russell zusammen mit Damon Albarn – dieser war es auch, der Bobby Womack vor zwei Jahren für sein Gorillaz-Projekt wieder aus der mehr oder weniger selbstgewählten Versenkung holen konnte. Nachdem Womacks Karriere trotz der Erfolge mit den "The Poet"-Alben in den 80ern mal wieder versandet war, hatte er sich frustriert weitgehend aus dem Musikgeschäft zurückgezogen und sich von seiner langjährigen Drogensucht erholt. Die Gorillaz-Kooperation weckte Womacks Lust aufs Musikmachen neu. In drei Aufnahmesessions (die besten seines Lebens, so Womacks erstaunliches Urteil) entstanden die zehn Tracks des Albums. Fertige Kompositionen gab es vorher keine: Alles wurde "on the spot" entwickelt, auch unter Beteiligung von Womacks langjährigem Songwriting-Partner Harold Payne, und anschließend am Computer fertiggestellt – wie Musik heute eben produziert wird. Die dunkle, raue Stimme Womacks und andere organische Elemente wie Gitarre, Klavier und Streicher werden mit düsteren Elektronik-Sounds und tieftönenden, dubsteppigen Grooves verwoben. Lana del Rey und Fatoumata Diawara erscheinen auf "Dayglo Reflection" bzw. "Nothing Can Save Ya" wie traurige Engel der Verkündigung. Aus dem Jenseits via Sample melden sich auch Sam Cooke und Gil Scott-Heron zu Wort. Anders als beim ebenfalls von Richard Russell produzierten Scott-Heron-Album "I'm New Here" sind die Tracks hier aber dann doch mehr Songs als Collagen. Während die meisten Stücke eher düstere, traurige Geschichten von Schuld, Leid, Sühne und Vergebung erzählen, endet das Album mit einem fast übermütigen Hochtempo-Techno-Gospel, der den Bogen zu Womacks Anfängen mit den Womack Brothers spannt – "don't let nobody bring you down" ruft und murmelt Womack immer wieder, sich selbst und uns Mut machend. Hoffen wir, dass der "Soul Survivor" seine neuerliche Krebserkrankung (die die Promo-Interviews und somit auch die geplante Story für dieses Magazin leider unmöglich machte) in diesem Spirit überwindet und, wie in Aussicht gestellt, bald auch wieder auf hiesigen Bühnen zu erleben ist.

Text
Guido Halfmann
, Jazz thing 94

Veröffentlicht am unter Reviews
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