ELBJAZZ 2018

Einem.Art

Das Glück im Kollektiv

Ein Quartett mit Posaune? Das ist eine echte Rarität unter den jungen Bands, die in der Jazz thing Next Generation debütieren. Eher taucht das imposante Instrument bisher in größeren Ensembles auf, wo es die Farbenpalette der Bläserriege nach unten hin erweitert, meistens mit dem notengetreuen Abspielen von Riffs beschäftigt ist und hin und wieder ein Solo spielen darf. Bei Einem.Art spielt die Posaune eine andere Rolle.

Einem.Art – Lamara (Cover)Nicht dass Max von Einem etwas dagegen hätte, in großen Bands zu spielen: Immerhin ist er Mitglied bei den Heavytones, der Band von TV Total. ‚Und das ist mehr als ein Brotjob, das macht richtig Bock‘, strahlt der Wahlkölner. In der JTNG war er bereits einmal zu hören, in einer anderen Rolle allerdings – als Sideman nämlich, im Tentett von Stefan Schmid. Die Hälfte seines Quartetts hat er in Bigbands kennengelernt: den E-Bassisten Juan Camilo Villa im Jugendjazzorchester NRW vor elf Jahren, den Drummer Rodrigo Villalon ein Jahr darauf im BuJazzO. Den vierten Mann traf der muntere 28-Jährige erst später, nachdem er aus seiner westfälischen Heimatstadt Münster ins frohsinnige Köln gezogen war. Keyboarder Lucas Leidinger firmiert bei den meisten Stücken von Einem.Art als Komponist, aber:

„Er kommt bei vielen Stücken mit den Ideen, die wir dann ausprobieren, neu interpretieren. Bei allem ist die Bandarbeit das Ergebnis. Wir sind ein Kollektiv. Ich habe das Quartett lediglich initiiert. Wir entscheiden alles gemeinsam, soweit das geht.“

In Münster begann die musikalische Laufbahn des Blondschopfs, mit sieben.

„Zuerst hatte ich eine Trompete am Start, aber dann sah ich eine Posaune und die Lust auf Trompete war sofort wie weggeblasen“, lacht Max. „Posaune! Ich wusste nicht, wie das klingt, ich hatte keine Ahnung, wie das heißt, aber es sah einfach geil aus. Das musste ich haben.“

Groß. So groß jedenfalls, dass sich der Knirps damit auch gleich viel größer gefühlt haben dürfte. Erste Vorbilder?

„Ganz klar irgendwann Nils Landgren, die Funk Unit-Platten, habe ich auch ein paar Mal live gesehen. Ziemlich gleichzeitig, das war in der Pubertät, habe ich meine erste J.J.-Johnson-CD geschenkt bekommen. Der hat ja unglaublich melodiös gespielt.“ Übungen mit den Dudelzunge-Experten Carl Fontana oder Bill Watrous, „auch eine Phase mit Nils Wogram“, fällt Max von Einem ein, aber Johnson verliert er nie aus dem Gehör. „Die Posaune muss singen“, sagt Max. „Weich, zart, rund, groß und klassisch, zugleich direkt und hin und wieder auch gern aggressiv.“

Einem.Art
All diese Facetten charakterisieren auch den Sound des Quartetts auf dessen Debüt ‚Lamara‘ (Double Moon/New Arts Int.). Ein hübsches Amuse-Gueule zum Auftakt, smooth anfangs, dann mit einigen Andeutungen auf die späteren Genüsse, die mal urplötzlich explodieren, mal sich ganz allmählich entfalten: Geschäftige, gegenläufige Beats mit rockenden Bandclustern und solistischem Muskelspiel, atmosphärisch Liedhaftes und minimalistische Grooves wechseln einander ab. Dabei lässt das Quartett auch sein Faible für Soundexperimente heraus, im Experiment mit Delays, Whammy, Loops und anderem Effektgerät. „Eine schöne Melodie fährt dann zum Supersoundgau, geht einfach nur noch down under“, kommentiert Max begeistert. Und mit dem trefflich klingenden ‚Killerberg‘ hat die Band eine Elektronummer betitelt, in der ein Synthie das Quartett von der Eifel in den Weltraum schickt.

„Wir haben schon mal Arbeitsphasen eingerichtet, wo wir uns eine Woche irgendwohin verkrümelt haben. In der Eifel in eine Hütte, der Weg dahin und der Hügel dahinter heißen ‚Killerberg‘. Lucas brachte einen alten Synthie mit, von Korg. ‚Ich weiß nicht, wie der geht, ist aber egal.‘ Dann haben wir rumprobiert und in einer nächtlichen, angesäuselten Session ist das Stück entstanden. So haben wir es dann später im Studio auch aufgenommen.“

Natürlich nüchtern. Andere Stücke wurden in der alten Heimat des Westfalen ausgebrütet.

„Meine Eltern waren nicht da, also nutzten wir die Gelegenheit und nahmen das Haus in Beschlag. Wir jammten drauflos und entwickelten Songs, die wir auch erst mal nach dem Ort benannten, wo sie entstanden waren. Münster I, Münster II … Erst vor ein paar Wochen haben wir sie umgetauft. War nicht einfach.“

Doch sonst lief es ziemlich rund, wie alles, was Einem.Art bisher anpackte: Seit dem Gewinn des ‚Sparda Jazz Award‘ 2012 stand für die vier Musiker fest, dass ihr ein Jahr zuvor gegründetes Quartett Bestand haben würde.

„Deshalb beschlossen wir, die Kohle in die Aufnahmen für unser Album zu stecken. Und damit sind wir total glücklich. Ich finde, wir haben alles richtig gemacht.“

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Text
Uli Lemke

Veröffentlicht am unter 108, Heft, Next Generation
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