Hamburg: Miles 100

Ambrose AkinmusireAmbrose AkinmusireMiles Davis war kontrovers. Als Mensch war er verletzend und verletzlich zugleich, als afroamerikanischer Musiker will er nach eigener Aussage seit seinen Anfängen im Bebop der 1940er-Jahre die Entwicklung des Jazz und somit auch der Musikgeschichte sechs Mal nachhaltig verändert haben. Als Schwarzer Amerikaner war er zwar reich und nannte teure Autos und eine Villa im kalifornischen Malibu sein Eigentum, dennoch war auch er mit dem allgegenwärtigen Rassismus in den USA konfrontiert. Legendär und stilbildend waren seine zwei Quintette in den 1950er- und ’60er-Jahren, und vielen gilt sein „Kind Of Blue“-Album 1959 heute noch als Jazzplatte schlechthin, andere wiederum halten seine spätere Hinwendung zum Rock und zur Schwarzen Popmusik geradezu für revolutionär. Oftmals wurde er missverstanden, wenn er zum Beispiel bei Konzerten mit dem Rücken zum Publikum stand – dabei wolle er nur besser Kontakt halten zu seinen Musiker/-innen auf der Bühne, wie er immer wieder betonte. Am 26. Mai 2026 wäre dieser auch „Prince of Darkness“ genannte Trompeter, Komponist und Bandleader 100 Jahre alt geworden.

Für die Elbphilharmonie in Hamburg ist dieses Centennial Anlass, um mit einer schlicht mit „Miles 100“ überschriebenen, fünfteiligen Konzertreihe an diesen 1991 gestorbenen Musiker zu erinnern. Den Anfang macht am 3. Mai der Trompeter Ambrose Akinmusire mit dem Brussels Jazz Orchestra, gemeinsam will man zeigen, „dass Miles’ künstlerische Einstellung auch heute noch relevant ist und fortlaufend neue Generationen inspiriert“ (O-Ton Akinmusire). In die Ära von „Bitches Brew“ mit ihren Fusionierungen von Rock und Pop verweist das zweite Konzert am 5. Mai mit der Band des Schlagezugers Bobby Previte, während am 6. Mai die NDR Bigband sich dem orchestralen Schaffen des Trompeters und Davis’ Zusammenarbeit mit dem Arrangeur und Komponisten Gil Evans annimmt.

Der 30. Juni verspricht ein besonderes Konzerterlebnis zu werden, wenn der Trompeter (und Davis-Enthusiast) Terence Blanchard mit dem Saxofonisten Ravi Coltrane auf Davis’ epochale Zusammenarbeit mit Ravis Vater John Coltrane (der gleichfalls in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden wäre) in den späten 1950ern zurückblickt. Den Schlusspunkt hinter die Hamburger Miles-Davis-Feierlichkeiten setzt am 9. Juli der Bassist Marcus Miller, der mit weiteren Weggefährten (unter anderen Gitarrist Mike Stern oder Saxofonist Bill Evans) auch die Musik des von ihm mitproduzierten Davis-Albums „Tutu“ 1986 aufleben lässt.

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„Miles 100“

Text
Martin Laurentius
Foto
Balazs Gardi

Veröffentlicht am unter News

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