Italien: Artikel über Jazz-Hipness

Jazz-HipnessIm aktuellen italienischen Musik-Magazin MUMAG schreibt der Psychologe, Jazzkritiker und Professor an der Universität von Palermo, Raffaele Cascone, unter dem Titel „Hip Science, Hip Phil, Hip Jazz“ über die „verwunschenen Gefilde des Jazz“ und den Hipness-Faktor einzelner Protagonist/-innen, die in der Jazzgeschichte und bis heute aus seiner Sicht eine bestimmte „Szene“ bestimmt haben. Die Schwierigkeit sei jedoch schon immer gewesen, neue Formen von Musik einem Publikum verständlich zu vermitteln. Das führt ihn zur Frage der Kommunikation zwischen Musiker/-in und Publikum. Diese entstehe, so Cascone, durch eine besondere Form von „Sprache“, die das Unbekannte erkundet und das Gegenüber einlädt, diesen Weg mitzugehen. So ergebe sich eine „Ko-Konstruktion gegenseitigen Verständnisses“. Kommunikation erfolge auch durch bewusste Abweisung, die ja ebenfalls ein Gegenüber adressiere, wie etwa, dass Miles Davis seinem Publikum den Rücken zuwendete.

Weitere Beispiele einer neuartigen und ungewohnten Form der musikalischen Komposition und neuen Konstruktion einer gemeinsamen Sprache sind für Cascone John Cages Komposition „Telephones And Birds“ 1977 und die aktuellen Grenzgänge zwischen Jazz und klassischer Musik der griechischen Pianistin Tania Giannouli. Die Auflösung sei „der Übergang vom Unverständlichen zum Verständlichen“. Ein „Moment der Verzauberung“ und ein „doppelter Akt der Großzügigkeit und des Vertrauens“. So gebe es Jazzmusiker/-innen, die in einem einstündigen Konzert harmonische Konfigurationen aus zwölftausend Noten vortrügen und Zuhörer/-innen, die alle darin enthaltenen Nuancen, Klangfarben und Zitate zu schätzen wüssten. Cascone wendet Jazz als Beispiel für psychologische Konflikte und als diesbezüglichen Lösungsansatz an, indem er die Kommunikation zwischen improvisierenden Musiker/-innen und deren Publikum vergleicht und Jazz als Weg für ein tieferes Bewusstsein versteht.

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MUMAG

Text
Maxi Broecking

Veröffentlicht am unter News

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