RIP: Ellis Marsalis

Ellis MarsalisEllis MarsalisBlues und Swing bildeten für ihn die Grundlage des Jazz. Ellis Louis Marsalis Jr. wurde am 14. November 1934 in New Orleans geboren. Seine Mutter, Florence Robertson, war Hausfrau. Sein Vater, Ellis Marsalis Sr., besaß das Marsalis Motel in einem Vorort von New Orleans und engagierte sich in der Bürgerrechtsbewegung. Zu den Gästen des Hotels zählten Martin Luther King Jr., Adam Clayton Powell Jr., der zukünftige Richter am Obersten Gerichtshof Thurgood Marshall und Ray Charles.

Der Pianist Ellis Marsalis war vor allem als Musikpädagoge immens einflussreich. Durch seine jahrzehntelange Tätigkeit am „New Orleans Center For Creative Arts“, der Xavier University und der University Of New Orleans hatte er großen Anteil an der Ausbildung lokaler Talente, von denen einige auch international bekannt wurden, darunter Terence Blanchard, Harry Connick Jr, Irvin Mayfield, Jesse Davis, Victor Goines, Donald Harrison, Marlon Jordan sowie seine Söhne Branford, Wynton, Delfeayo und Jason. Ellis Marsalis ging 2001 in den Ruhestand, als Pianist trat er jedoch noch bis Dezember 2019 auf.

Schon früh entwickelte er eine grundlegende Offenheit gegenüber der Jazz-Moderne der 1960er-Jahre. Er spielte mit Nat Adderley, „In The Bag“ (1962), Al Hirt (1967 bis 1970), Eddie Harris, „Homecoming“ (1985), und ist wiederholt auch auf Wyntons Platten zu hören. Seine Freundschaft mit dem Schlagzeuger Ed Blackwell führte auch zum Kontakt mit Ornette Coleman, wie er mir beim Gespräch in New York erzählte: „Ich habe Ornette, als er nach New Orleans kam, gar nicht getroffen. Er freundete sich damals mit Ed Blackwell an. Wir trafen uns erst, als er Blackwell ein Ticket schickte, um zu ihm nach Los Angeles zu kommen. Zu dem Zeitpunkt hatte ich gerade meinen Abschluss gemacht und erstmal nichts zu tun, also schlug Blackwell mir vor, ihn zu begleiten. Das war etwa 1956.“

Sein eigenes Schaffen blieb im Post- und Hardbop angesiedelt. Auf der CD „Fathers And Sons“ (1982) ist er zusammen mit Wynton und Branford zu hören, „Twelve’s It“ (1998) ist ein nach seinem Theme-Song benannter Trio-Set, und bei „Whistle Stop“ (1993) wirkte neben Branford auch sein jüngerer Sohn Jason mit, der fortan in seinem Trio Schlagzeug spielte. Als seine ältesten Söhne, Branford und Wynton, das Haus verließen, habe er gar nicht so recht gewusst, was er ihnen mit auf den Weg geben sollte. „Wynton verbrachte damals die meiste Zeit damit, klassische Musik zu spielen. Es war zunächst gar nicht klar, ob er in einem Orchester oder konzertant spielen wollte. Das Wichtige ist jedoch, dass er die Möglichkeit hatte, all das zu tun. Es war für mich nicht vorhersagbar, dass es in den 1980er-Jahren in New York ein Comeback von älterer Jazzmusik geben würde. Und deshalb war ich auch skeptisch. Mein Rat an Wynton war: Schau zu, dass du ein paar Auftritte bekommst, damit du wenigstens deine Miete zahlen kannst.“ Zusammen mit Branford, Wynton, Delfeayo und Jason wurde er 2011 mit dem renommierten „NEA Jazz Masters Award“ für sein Lebenswerk ausgezeichnet.

Mit Dolores Marsalis, die 2017 nach 58 Ehejahren verstarb, hatte er noch zwei weitere Söhne, Mboya und Ellis III. Am 1. April ist Ellis Marsalis an den Folgen einer Covid-19-Erkrankung in New Orleans gestorben. Die Bürgermeisterin von New Orleans, LaToya Cantrell, erklärte kurz nachdem sie vom Tod des Pianisten und Pädagogen erfahren hatte: „Ellis Marsalis war eine Legende. Er verkörperte genau das, was wir mit New Orleans Jazz verbinden. Die Liebe und die Gebete unserer Bürger gehen an seine Familie und an all jene, deren Leben er berührt hat. Er war ein Lehrer, ein Vater und eine Ikone. Dieser Verlust trifft uns sehr schwer.“ Ellis Marsalis wurde 85 Jahre alt. Text Christian Broecking

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Christian Broecking, Stefan Franzen & Martin Laurentius

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