ELBJAZZ 2019

Volker KriegelVolker Kriegel„Kommunikativ sollte die Musik sein, ohne sich auf Klischees zu stützen. Sensibel sollte sie sein, ohne esoterische Verstiegenheit. Intelligent ohne Zeigefinger und Elfenbeinturm. Verständlich, aber nicht banal. So pathetisch es klingen mag: Im Jazz-Rock steckt die Chance zur Versöhnung von Körper und Geist,“ sagte Volker Kriegel einmal. Wie kaum ein anderer deutscher Jazzmusiker verkörperte dieser Gitarrist, 1943 in Darmstadt geboren und 2003 im spanischen San Sebastian gestorben, diese Chance – sei es schon früh in seiner Karriere ab Ende der 1960er im Dave Pike Set oder auch ganz am Schluss seines Lebens, als er noch einmal, kurz vor seinem Tod, auf der Abschiedstournee des von ihm mitgegründeten United Jazz & Rock Ensembles diese „Versöhnung von Körper und Geist“ huldigte.

„Mild Maniac“ hieß nicht nur eine stilbildende Platte, die der Gitarrist 1974 mit seiner Band Spectrum unter anderem mit Eberhard Weber am Bass veröffentlichte. Mild Maniac hieß kurz darauf auch sein Orchestra, mit dem er diese Versöhnung nicht mehr nur aus der Perspektive des Jazzmusikers anging, sondern das Pendel stärker in Richtung Rock, Soul und Funk ausschlagen ließ. Kriegel war selbst auch ein „mild maniac“, ein „milder“ Verrückter, dem die Jazzmusik alleine nicht genügte, um sich künstlerisch und kreativ auszudrücken. Als Autor, Journalist und Texter war er verantwortlich für feinfühlige, tiefsinnige Features und Reportagen – unter anderem für die Jazzredaktion des NDR. Vor allem aber als spitzfedriger Zeichner legte er gepaart mit seinen spitzzüngigen Sottisen oftmals menschliche Abgründe offen – und hielt ein um’s andere Mal dem Betrachter, aber auch sich selbst den sprichwörtlichen Spiegel vor. Ein Auszug aus Kriegels zeichnerischem Werk ist noch bis zum 20. Januar 2019 im Frankfurter Caricatura Museum zu sehen.

„Mild Maniac“ heißt auch die Hommage an Kriegel, die die hr-Bigband anlässlich des 75. Geburts- und 15. Todestages des Gitarristen erarbeitet hat. Gleich drei Gitarristen übernehmen die „Kriegel-Rolle“ in dem von Jim McNeely arrangierten Programm: der hr-Bigband-Gitarrist Martin Scales, der Holländer Jesse van Ruller und der gebürtige Frankfurter, in Berlin lebende John Schröder, der am Anfang seiner Karriere selbst noch von Kriegel protegiert worden ist. „Mild Maniac – Hommage an Volker Kriegel“ wird am 22. und 23. November im hr-Sendesaal in Frankfurt aufgeführt, das Konzert am 22. wird zudem über die Site der hr-Bigband live als Video gestreamt.

Weiterführende Links
„Mild Maniac – Hommage an Volker Kriegel“

Text
Christian Broecking, Stefan Franzen & Martin Laurentius

Foto
hr/Heinrich Klaffs

Veröffentlicht am unter News

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