Bei JazzOpen Stuttgart: Kamasi WashingtonKamasi WashingtonSeine Komposition „Mannenberg“ war die inoffizielle Hymne der Antiapartheid-Bewegung in seinem Heimatland Südafrika. In diesem Stück, 1974 geschrieben, zeigt sich die kompositorische Klasse des Pianisten Abdullah Ibrahim, der 1934 als Adolph Johannes Brand in Kapstadt geboren wurde: Die Tanz- und religiöse Musik seiner Heimat vermischt sich mit dem Jazz eines Duke Ellington oder Thelonious Monk zum Stilmix „Capetown Jazz“. Nachdem Ibrahim Anfang der 1960er Südafrika wegen der Apartheid-Gesetze verlassen hatte, war zuerst Europa, hier vor allem die Schweiz sein Domizil. Später dann wurde er gezwungener Maßen zum Wanderer zwischen den Welten, der mal in Europa, mal in den USA lebte. Welchen Einfluss Ibrahim auf eine junge Jazzmusiker-Generation hatte, zeigt sich am Beispiel der Schweizerin Irène Schweizer, die ab den späten 1960ern aller Free-Ausbrüche in ihrer Improvisationsmusik zum Trotz den jumpenden Drive des Südafrikaners in ihr Klavierspiel integrierte. Abdullah Ibrahim wird 2017 mit der mit 15.000 Euro dotierten „German Jazz Trophy“ für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Preisverleihung und Preisträgerkonzert eröffnen am 7. Juli das diesjährige Festival JazzOpen Stuttgart.

Das ist das Besondere dieses großen Jazzfestivals vom 7. bis 16. Juli in der baden-württembergischen Landeshauptstadt: Die leisen, avancierten Töne einer zeitgenössischen Improvisationsmusik haben im Festivalprogramm ebenso einen festen Platz wie die Auftritte der internationalen Jazzstars auf den Open-Air-Bühnen in der Stadt. Auch die 24. Ausgabe der JazzOpen folgt diesem Prinzip: Der britische Tausendsassa Jamie Cullum, gern gehörter Gast des Festivals, teilt sich am 12. Juli die Bühne am Schlossplatz mit Norah Jones, außerdem reisen zum Beispiel Wayne Shorter mit seinem Quartett, Lee Ritenour, Dave Grusin, Herbie Hancock, Michael Kiwanuka und Chucho Valdés nach Stuttgart. Ein ganz besonderer Konzertabend verspricht der Schlusstag, der 16. Juli zu werden, wenn Freunde und Weggefährten – etwa Dee Dee Bridgewater oder George Benson – dem legendären Komponisten und Produzenten Quincy Jones ihre Ehrerbietung zeigen.

Die Bühne für aktuellen Modern Jazz steht wiederum im Stuttgarter Bix: Der intimen Atmosphäre dieses renommierten Jazzclubs stellen sich unter anderem Camille O‘Sullivan, Sarah Ferri, Dinosaur, Ola Onabulé, Kinga Glyk, Mark Berube, Melingo und Joey DeFrancesco. Und am 11. Juli wird Kamasi Washington mit seiner Band im Innenhof des Alten Schlosses zu hören sein. Wer den amerikanischen Tenorsaxofonisten schon einmal live erlebt hat, der weiß, dass dessen Konzerte hochenergetische, funkensprühende und emotionale Angelegenheiten sind. Für diesen Auftritt von Washington verlosen wir 2×2 Eintrittskarten: Schickt uns bis zum 9. März eine E-Mail an redaktion@jazzthing.de – mit ein paar Sätzen über unseren wöchentlichen Jazz thing Newsletter. Das komplette Programm der JazzOpen Stuttgart 2017 gibt es auf der Festival-Site im Internet.

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JazzOpen

Text
Christian Broecking, Stefan Franzen & Martin Laurentius

Foto
Mike Park

Veröffentlicht am unter News
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