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Paul KuhnZum Tode von Paul KuhnEr stieg ganz lässig ein: „Guten Abend, meine Damen und Herren. Sie sehen, ich rauche – ich hoffe, Sie haben nichts dagegen. Ein Glas steht auch da – ich hoffe, bei Ihnen auch. Denn wir hatten zu einer kleinen Party gebeten. Und sowas gehört ja nun mal mit dazu. Was sonst noch dazu gehört – nämlich Musik –, die haben wir auch dabei; diesmal sogar mit Bild.“ Kurz vor Weihnachten 1968 ging zum ersten Mal „Pauls Party“ im deutschen Fernsehen auf Sendung, mit Paul Kuhn als Gastgeber. Kuhn selbst, damals 40 Jahre alt, hatte gerade die Leitung des SFB Tanzorchesters übernommen – und lud sich für seine Party bekannte Schlagersänger ein, die er vier Jahre lang mit seinem Orchester begleiten sollte. Legendär wurde die Unterhaltungsshow „Pauls Party“ aber nicht wegen der Musik. Vielmehr sorgten die oft improvisierten „Partygespräche“ zwischen dem Gastgeber und seinen Gästen für Witz. Darin konnte sich Kuhn geradezu in Szene setzen: als Charmeur und Plauderer, mit augenzwinkerndem Humor und dem sprichwörtlichen Schalk im Nacken. Und auch wenn die Musik bei „Pauls Party“ selten Tiefgang hatte, so brachten der Bandleader und sein Orchester immer auch Swing und Groove mit ins Spiel, um die Schlager zu kontern und in gewisser Weise zu karikieren.

Genau das war die „große“ Kunst von Paul Kuhn: eine Brücke zu schlagen zwischen „seichter“ Unterhaltung und seiner eigentlichen „Liebe“, dem Jazz. Denn der 1928 in Wiesbaden geborene Pianist und Sänger gehörte nach dem Kriegsende 1945 zur ersten Generation von deutschen Musikern, die sich ihr Geld mit Jazz in den GI-Clubs der Besatzungsmächte verdienten. „Schon in den amerikanischen Clubs mussten wir aber auch Lieder wie ,Ich hab mein Herz in Heidelberg verloren‘ spielen“, erinnert sich Kuhn Jahrzehnte später im „Kulturspiegel“. „Als dann wieder Radio- und Fernsehsender in Deutschland gegründet und die ersten Platten aufgenommen wurden, hat mich ein Produzent erwischt, und ich musste deutsche Schlager singen. Das hat mir nicht so geschmeckt.“ Mit Schlagern wie „Der Mann am Klavier“ oder „Es gibt kein Bier auf Hawai“ feierte Kuhn aber im Nachkriegs-Deutschland der 50er-Jahre seine größten Erfolge – Evergreens, von denen er zeitlebens nicht loskommen sollte.

Kuhn kehrte spät zum Jazz zurück. Dabei sorgte er nicht nur mit seinen einstigen Weggefährten Max Greger und Hugo Strasser, die wie Kuhn zur ersten westdeutschen Jazzer-Generation gehören, als „Swing-Legenden“ für volle Konzertsäle. Vielmehr trat er ab den 90ern oft und gerne im Trio auf. In dieser kammermusikalischen Besetzung erstrahlte seine jazzmusikalische Könnerschaft geradezu, hier konnte er seine Klasse als Pianist ausspielen. Kürzlich hat er sich einen langgehegten Traum erfüllt und in den legendären Capitol Studios in Los Angeles mit dem Drummer Jeff Hamilton und dem Bassisten John Clayton ein Album aufgenommen. Auf „The L.A. Session “ (In & Out Records/in-akustik) demonstriert Kuhn dann noch einmal all das, was ihn im Laufe der seiner langjährigen Karriere ausgezeichnet hat: seine swingende Noblesse, seine reduzierte Melodieführung, sein harmonischer Pfiff. „The L.A. Session“ wird die letzte CD gewesen sein, die zu Lebzeiten des Pianisten erschienen ist: Am 23. September ist Paul Kuhn im Alter von 85 Jahren gestorben.

Text
Christian Broecking, Stefan Franzen & Martin Laurentius

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