Cecil Taylor (Foto: Arne Reimer, Ausschnitt aus 'American Jazz Heroes')Wird mit dem renommierten Kyoto-Preis geehrt: Cecil Taylor."Weiß Horowitz von Ihnen?" fragte Carter den Pianisten. Cecil Taylor hatte 1976 auf der White House Party gespielt und Aufsehen erregt. Als der amerikanische Präsident ihm nach dem Konzert hinterher eilte und dabei unerwartet die Bühne verlies, wurde der Secret Service nervös. Zwanzig Jahre zuvor hatte Taylor sein Plattendebut, „Jazz Advance“, Mitte der 1990er Jahre mietete er auf eigene Kosten eine sehr teure Halle im New Yorker Lincoln Center, um ein Konzert zu geben. Für Taylor hat es nichts mit Tradition zu tun, wenn eine simplifizierte, konzertsaaltaugliche Version von Swing und Bebop zum Kanon des Jazz erklärt wird. Er hält die Gleichzeitigkeit verschiedener Rhythmen gegen die Betonung auf zwei und vier, Cluster gegen Terz-Akkorde, freie Assoziation gegen starre Notation. Wenn die Musik in der Luft liegt, so Taylor, könne die geschriebene Note nicht maßgeblich sein. Jetzt ist der 84-jährige Free-Jazz-Erfinder in der Kategorie „Arts and Philosophy“ mit dem Kyoto-Preis ausgezeichnet worden. Die neben dem Nobelpreis weltweit anerkannteste Auszeichnung für herausragende Leistungen in Kultur und Wissenschaft geht in diesem Jahr in den Kategorien „Advanced Technology“ und „Basic Sciences“ auch an den Elektronikingenieur Dr. Robert Heath Dennard und den Biologen Dr. Masatoshi Nei. Der Kyoto-Preis ist jeweils mit 50 Millionen Yen (395.000 Euro) dotiert und wird durch die Inamori-Stiftung vergeben. Die Verleihung findet am 10. November 2013 in Kyoto statt.

Text
Christian Broecking, Stefan Franzen & Martin Laurentius

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