235/17: Jazz thing Mixtape auf ByteFM & onejazz

Tyreek McDoleTyreek McDoleNeues Jahr, neues Heft, neues Mixtape: am „Erstverkaufstag“ des neuen Jazz thing, Ausgabe 162, sendet ByteFM die Musik zum Heft, zwei Tage später ist die englische Version bei OneJazz.net zu hören. Neue Musik über Flug-Fantasien und die Schwerkraft, Schönheits-Druck und „Ugly Beauty“, etwa von Jill Scott, Tyreek McDole, Louis Matute und Joyce Moreno, Nils Wülker, Shabaka, John Scofield und Dave Holland, Björn Meyer, dem Julia Hülsmann Octet und dem Jan Dintheer Large Ensemble. Die „Philly Soul Queen“ Jill Scott, die nach zehn Jahren mit „To Whom This May Concern“ ein neues Album auf ihrem eigenen Label Blues Babe veröffentlicht, reimt auf „Pressha“ die Worte „aesthetic“ und „cosmetic“. Es geht um „body shaming“ in Beziehungen, sie verarbeitet ihre unangenehmen Erfahrungen mit Partnern, in deren oberflächliche Schemen sie nicht passte.

Im aktuellen Heft finden sich nicht nur Geschichten und Reviews über alle Künstler dieses Mixtapes, sondern auch die Jahrescharts der Redaktion. Deren unangefochtene Nummer 1 ist „Open Up Your Senses“ des jungen Sängers Tyreek McDole, der hier mit seiner Interpretation von „Ugly Beauty“ mit Kenny Barron am Piano zu hören ist.  Monks Walzer über ein „jolie laide“ oder die Schönheit im Hässlichen an sich widmet sich im Anschluss auch unser Titelheld, der „Bebop-Typ“ George Coleman. Mit gerade noch 90 hat sich der Saxofonist, dessen Geschichte im Interview von Reinhard Köchl im neuen Heft nachzulesen ist, den Traum eines Albums mit Streichern erfüllt, das schlicht „With Strings“ heißt. Der neuste, inzwischen 111. Streich der „Jazz thing Next Generation“ kommt vom Gitarristen, Komponisten und Bandleader Jan Dintheer aus der Schweiz und nennt sich „Tiger’s Den“. Der 32-Jährige hat für sich und sein 19-köpfiges Large Ensemble mit „Flug Frohmut“ einen Fallschirmsprung imaginiert, der in gut siebeneinhalb Minuten die Balance zwischen Überwindung und Befreiung hält.

Sein etwa gleichaltriger Landsmann Louis Matute legt mit „Dolce Vita“ schon sein fünftes, wieder noch ein Stück fantastischeres Album vor. Eine Auseinandersetzung mit der Fluchtgeschichte der Familie seines Großvaters aus Honduras, die der Gitarrist mit entspanntem Latin-Rock, Afrobeat- und Karibik-Grooves und etlichen Gästen umsetzt, hier auf „O Que É O Amor?“ etwa mit der brasilianischen Sängerin Joyce Moreno und seinem langjährigen Saxofonisten Léon Phal. Die Pianistin Julia Hülsmann lebt auf „While I Was Away“ wieder ihre große Liebe für Stimmen aus, schon indem sie hier ihr länger bestehendes, aber bislang eben noch nicht aufgenommenes Oktett mit gleich drei Sänger/-innen präsentiert. Auf „Walkside“ steht die norwegische Sängerin und Songwriterin Live Maria Roggen im vokalen Mittelpunkt. Keine „Fear Of Missing Out“ mehr, Dank „FOMO Fighter“ auf dem pünktlich zum neuen Mixtape erscheinenden neuen Album von Nils Wülker. Aufgenommen in Berlin, präsentiert „Zuversicht“ ein neues internationales Allstar-Quartett mit Pianist Aaron Parks, Bassistin Linda May Han Oh und Drummer Gregory Hutchinson, mit dem der komponierende Trompeter auch live zu erleben sein wird, bei den ersten Terminen mit Omer Klein (deutlich mehr als nur Sub) am Piano.

Wenn Moondog für Kettenkarussells komponiert hätte, wäre das Resultat womöglich nahe an „Marwa The Mountain“ gekommen, einem Vorboten des bald erscheinenden neuen Albums „Of The Earth“ von Shabaka auf seinem eigenen Label Shabaka Records. „Home heißt für mich vor allem Familie und ein Ort, der mich nährt und mir Kraft gibt“, sagt Dave Holland im Tandem-Interview von Ralf Dombrowski im aktuellen Heft. Für John Scofield, Tandem-Fahrer #2, ist es der Ort im Staate New York in dem er seit 33 Jahren lebt. „Memories Of Home“, das jetzt erschienene erste Duo-Alben der beiden, fühlt sich insgesamt sehr heimelig an, beispielsweise bei „Memorette“. Im Ausklang dieses Mixtapes ist „Gravity“ zu hören, ein Stück des zweiten Soloalbums „Convergence“ des schwedisch-schweizerischen Bassisten Björn Meyer, bekannt auch von seiner Zeit als Mitglied in Nik Bärtschs Ronin. „Verschiedene Denkmodelle laufen stringent aufeinander zu und ergeben in ihrer Gesamtheit eine stimmige Einheit, die man aber erst wahrnimmt, wenn man das Ganze im Blick hat“, schreibt Wolf Kampmann dazu in seiner Rezension. All das findet sich auf Deutsch am Samstag, 31. Januar, ab 12 Uhr auf ByteFM, und auf Englisch am Montag, 2. Februar, ab 21 Uhr auf onejazz – beide Male mit Götz Bühler am Mikrofon.


Playlist #235/117
für das Jazz thing Mixtape vom Sonntag, 31.1.2026, 12 – 13 Uhr, auf ByteFM, und Montag, 2.2.2026, 21 – 22 Uhr, auf onejazz

Jill Scott Pressha To Whom This May Concern (Blues Babe/The Orchard)
Tyreek McDole Ugly Beauty Open Up Your Senses (Artwork/Integral)
George Coleman Ugly Beauty With Strings (High Note/ZYX)
Jan Dintheer Large Ensemble Flug Frohmut Tiger’s Den (Double Moon/Bertus)
Louis Matute & Joyce O Que é o Amor? Dolce Vita (Naïve/Believe)
Julia Hülsmann Octet Walkside While I Was Away (ECM/Universal)
Nils Wülker FOMO Fighter Zuversicht (Warner)
Shabaka Marwa The Mountain Of The Earth (Shabaka Records/shabaka.bandcamp.com)
John Scofield & Dave Holland Memorette Memories Of Home (ECM/Universal)
Björn Meyer Gravity Convergence (ECM/Universal)

Weiterführende Links
ByteFM
onejazz.net

Text
Götz Bühler

Veröffentlicht am unter Mixtape

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