Momentan kennt man die Schweizer Bassklarinettistin Chloé Marsigny vor allem vom Trio Knobil um die Bassistin (und Namensgeberin) Louise Knobil, die nun auch am Bass in Marsignys Sextett zu hören ist. Das „Vol. 3″ im Titel deutet es an: „10 Seconds To Lift Off“ ist der dritte Teil einer Folge von Alben, die allesamt ein Science-Fiction-Sujet zum Thema haben. Und nach der Funktionsweise der Sterne und den verrücktesten Theorien der Kosmologie und Astrophysik geht es nun um Exoplaneten. Doch ist das nur die außermusikalische Klammer, mit der die zehn Originals zusammengehalten werden. Musikalisch beruft sich die Klarinettistin auf den Jazz der 1960er-Jahre, als dieser sich immer mehr ausdifferenzierte und Traditionen zu zertrümmern begann. Dieses Procedere haben sich Marsigny und Co. geradezu einverleibt und spielen ihren Jazz zwischen konkretem Beat und bloßem Pulsieren, zwischen harmonischer Struktur und frei tonalen Clustern, zwischen lyrischem Melos und kantigen Intervallen, während die weitausholende Improvisationskunst der sechs Protagonist/-innen der Musik Tiefenschärfe und Detailreichtum vermittelt.
Text
Martin Laurentius
Ausgabe
, Jazz thing 163
Veröffentlicht am 18. Mai 2026 um 07:57 Uhr unter Reviews